Frag den Rabbi:
Schabbat & Moderne Technologie

Fragen an den Rabbi: Halacha und moderne Technologie

Sie fragen, wir antworten

Die Entwicklung der Technologie, die einem Menschen neue Werkzeuge und neue Fähigkeiten verleiht, erfordert die Involvierung halachischer Authoritäten und Rabbiner, um zu bestimmen, ob und wie sie in die Regeln der Halachah integriert werden können.

Man kann hierbei zwischen den folgenden Ansätzen unterscheiden:

Hier einige Beispiele für Themen:

Strom am Schabbat

Ein wichtiges Thema bei der Begegnung zwischen Halacha und Technologie ist die Frage der Verwendung von Elektrizität am Schabbat, die Gegenstand vieler halachischer Kontroversen ist. Eine Diskussion betrifft die Definition des halachischen Verbots der Beleuchtung und des Gebrauchs von Geräten am Schabbat. Eine andere Diskussion betrifft die Verwendung von Strom, der bei Aktionen, die als Chilul Schabbat (Schabbatschändung) durch IEC-Mitarbeiter (also Mitarbeiter der israelischen Stromwerke, auch Juden) definiert sind, erzeugt wird.

Schabbat Uhr

Eine Schabbat Uhr

Die Schabbat-Uhr

Der Betrieb eines Elektrogeräts am Schabbat durch menschliches Handeln, wie zum Beispiel das Betätigen des Lichtschalters, ist am Schabbat verboten. Methoden und Techniken wurden entwickelt, um am Schabbat Stromnutzung zu ermöglichen, aber dies ohne menschlichen Kontakt, sondern automatisch.

Eine der bekannteren halachischen Lösungen ist die Schabbat-Uhr, die Geräte und Geräte im Haus der religiösen Person ein- und ausschaltet. Die Schabbat-Uhr wird vor Beginn des Schabbats auf die gewünschten Stunden gestellt, und somit ist es möglich, die Einstellung oder Aufnahme des Betriebs eines elektrischen Gerätes während des gesamten Schabbats zu bestimmen.

Koscheres Handy

Ein koscheres Handy ist ein Handy, das von rabbinischen Authoritäten genehmigt ist und auf zwei Komponenten basiert:

Koscheres Internet

Koscheres Internet

Koscheres Internet

Dienste, die als koscheres Internet bezeichnet werden, wurden in den Vereinigten Staaten eingerichtet und nach Israel gebracht, um einer Bevölkerung den Internetzugang zu ermöglichen, die es vermeiden möchte, beim Surfen im Internet oder bei der Nutzung von E-Mail-Diensten aus religiösen oder prinzipiellen Gründen Inhalten ausgesetzt zu sein, die sie für unangemessen halten.

Die Filterung erfolgt auf zwei Arten:


Fragen und Antworten

Thema: Halacha & Organspende

Seher geehrter Herr Rabbiner,

Wie sieht das Judentum/ die Organspende?

Bitte sowohl auf Spende eines Lebenden (z.B. Nierenspende eines Gesunden an einen Nierenkranken) als auch auf Spende eines Toten an einen Lebenden (z.B. Herz) - was ist in dem Zusammenhang halachischer Tod und wie unterscheidet er sich vom Tod, wie ihn die Medizin definiert?


HAFTUNGSAUSSCHLUSS: Die unten zur Verfügung gestellten Informationen dienen nicht der selbstständigen Entscheidung von Fragen zum Thema der Organspende. Der Leser wird gebeten, sich für Fragen an einen Orthodoxen Rabbiner zu wenden, der ein Experte in Fragen der Halacha (jüdischem Gesetz) und Medizin ist.


Schalom Herr Ganse,

Das jüdische Gesetz unterscheidet zwischen Organspende von einem Lebenden und Organspende von einem Toten. Bei einem Lebenden geht es meistens, wie Sie schreiben, um ein Körperteil wie eine Niere, von dem man eine nicht braucht. Eine Spende dieses Körperteiles im jüdischen Volk ist sowohl an Juden als auch an Nichtjuden verbreitet vorzufinden, und es gibt Organisationen, die sich darauf spezialisieren, und die beiden Parteien suchen. Diese zwei gehen dann zu einer vereinbarten Zeit in einem vereinbarten Krankenhaus zur Operation, ohne dass sie sich gegenseitig kennen. Eine Organspende ist eine der größten Taten der Güte und Nächstenliebe, die der Mensch tun kann.

Wie verhält es sich bei einem Toten – können seine Organe gespendet werden? Der Mensch muss als Ganzes begraben werden, doch um eine Menschenleben zu retten, ist dies gestattet. Organe können aber nicht “beiseitegelegt” für zukünftiges Benutzen oder wissenschaftliche Experimente. Es muss einen konkreten Fall geben, der vor einem ist und eine Organspende eines Toten notwendig macht.

Ab welchem Zeitpunkt wird ein Mensch als tot betrachtet? Die Halacha hat drei Meinungen:

  1. Wenn das Herz aufhört zu schlagen,
  2. oder
  3. Wenn die Atmung aufhört
  4. oder
  5. beides.

Moderne Medizin und Gesetzessysteme legen diesen Zeitpunkt fest, wenn der Hirntod eintritt. Dies ist problematisch, weil dringend benötigte Organe eines Toten nicht gespendet werden können, wenn eine der obigen drei Meinungen erfüllt ist/sind, der Patient aber noch nicht Hirntod ist.

Summa summarum dürfen Jüdische Organe nur gespendet werden, wenn der Lebende sie nicht braucht, oder bei einem Toten eine vorige Einverständniserklärung vorliegt, dass die Entfernung der Organe erst nach seinem halachischen Tode stattfindet. Dies wird von einem Rabbiner dann vor Ort geprüft. Liegt eine solche Einverständniserklärung nicht vor, ist das Krankenhaus nicht befugt eine Organspende zu veranlassen.

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 
Nächste Frage

Thema: Schabbat & Moderne Technologie

Lieber Rabbiner Schiffer,

Es soll ja bald schon selbstfahrende Autos geben, wo alles automatisch funktioniert und man nur noch einsteigen muss.

Kann man mit diesen dann am Schabbat in die Synagoge fahren, so wie das im Ausland mit den Straßenbahnen erlaubt ist?


Schalom Herr Grünzweig,

Es ist ausgeschlossen, dass es erlaubt sein wird selbstfahrende Autos an Schabbat zu benutzen. Alleine schon, aus technischer Sicht, selbst wenn das Fahrzeug auf Stimme reagiert, spielt es keine Rolle ob man einen Knopf betätigt oder es sagt. Es ist aber nicht notwendig ins Detail zu gehen, denn es gibt hier zwei übergreifende Gründe: Erstens ist es ein זלזול השבת, Silsul HaSchabbat (wörtl. man macht den Schabbat billig), man würde sich an Schabbat so verhalten wie Wochentags, und wenn man alles erlauben würde was unter der Woche getan wird, so würde man mit jeder Sache etwas zu tun finden. Dies würde den Zweck (siehe unten) des Schabbat verletzen und der Schabbat würde nicht gehalten wie es sein soll (Rabbi Mosche Feinstein). Zweitens, es ist ein חשש, Chaschasch, man macht sich verdächtig, dass man den Schabbat entheiligt und מראית העין Marit HaAyin, es erweckt den Anschein, dass etwas getan wird, was verboten ist.

Jemand der an Schabbat ruht zeigt, dass er die Torah befolgt. Der Schabbat ist unser Zeugnis, das G-tt die Welt aus dem Nichts und in sechs Tagen erschaffen hat und am siebten Tag, an Schabbat, geruht hat, und seine Herrschaft über die Welt absolut und ewig ist.

Bezüglich der Benutzung von Straßenbahnen, so ist dies an Schabbat klar verboten, aus denselben Gründen wie oben beschrieben. Eine Straßenbahn zu benutzen ist nur gestattet לצורך גדול, in großen Ausnahmefällen, z.B. für medizinische Behandlung, oder wenn ein Elternteil im Krankenhaus ist.

Alles Gute,

Ihr Rabbiner Daniel Schiffer

 
Follow-Up Frage

Kann ich drei Follow-Up-Fragen zu der Antwort stellen:

  1. nach der Argumentation hätte Rabbi Feinstein auch Schabbat-Aufzüge verbieten sollen. Diese sind aber erlaubt. Wo ist der entscheidende Unterschied? Marit Ayin?
  2. was ist der halachische Status der Schabbat-Busse, die bereits in Tel Aviv fahren? Nach einem Zeitungsartikel sind die Fahrer alle Araber (= Schabbes-Gojim?) und die Fahrt ist kostenlos. Sind sie also erlaubt? Oder ist es ein Problem wegen Tchum Schabbat, Merit Ayin und anderen Fragen (zB technischen Problemen, die dazu führen können, dass Schabbat gebrochen wird)?
  3. wie sieht es mit dem Rollator oder Senioren-Elektromobil aus?


Schalom Herr Domb,

Hier Ihre Antworten nach ihren Punkten (bitte konsultieren sie meine vorige E-Mail im Falle unklarer Begriffe):

  1. Schabbat-Aufzüge sind nicht einstimmig erlaubt. Gemäß der Argumentation in meiner vorangegangenen E-mail (drei Hauptgründe für öffentliche Verkehrsmittel an Schabbat: Silsul HaSchabbat, Chaschasch und Marit HaAyin) gibt es bei manchen halachischen Autoritäten Bedenken wegen Silsul HaSchabbat, die anderen beiden Gründe sind nicht Anlass genug der Sorge, weil – und das ist der entscheidende Unterschied – ein Schabbat Aufzug innerhalb des Gebäudes ist und es keinen Chillul Schabbos (Entheiligung des Schabbat) in der Öffentlichkeit gibt (was nicht heißt, dass es erlaubt wäre, den Schabbat in den eigenen vier Wänden zu verletzen, G-tt behüte).
  2. Bezüglich Schabbat Busse, die, wie Sie beschreiben, in Tel-Aviv von Nicht-Juden gefahren werden: Angenommen, dass diese Information korrekt ist, ist der halachische Status solcher Buses null und nichtig, aufgrund der drei oben aufgeführten Gründe.
  3. Ein Rollator, ohne jedwede elektronische Vorrichtung, ist gestattet, vorausgesetzt es gibt einen Eruv (Ein Eruv ist ein mit einem Pfahl und Metalldraht abgetrennter Bereich, der das Tragen ermöglicht).
    Ein Senioren-Elektromobil kann nur benutzt werden, wenn eine ernste gesundheitliche Gefahr besteht, oder sich die Person z.B. sehr allein fühlt. Es muss aber ein Experte die Technik des Gegenstandes prüfen, ob es für den Schabbat zugelassen werden kann. Ebenfalls muss der Rabbiner der Synagoge um Genehmigung gefragt werden, um einen Silsul des Schabbat zu vermeiden.

Alles Gute,

Ihr Rabbiner Daniel Schiffer

 
Nächste Frage

Schalom Rabbi,

Endlich (nach jahrelange „nudjen“ meiner Frau) habe ich mir ein Hörgerät bestellt.

Normalerweise – wird das Gadget nachts herausgenommen, ausgeschaltet und morgens eingeschaltet und wieder eingesetzt.

Hier die Frage:

Natürlich kann ich das Gerät am Schabbat nicht ein- und ausschalten.

Wenn ich es jedoch anlasse, kann ich es in mein Ohr stecken oder nicht (damit zu schlafen ist keine Option).


Schalom Herr Auerbach,

Es ist gestattet ein Hörgerät an Schabbat zu benutzen, vorausgesetzt - wie Sie schon richtig schreiben - es vor Schabbat eingeschaltet wurde.
(Schemirat Schabbat Kehilchata, 2. Auflage, Band I, Rabbi Yehoshua Yeshaya Neuwirth)

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 
Nächste Frage

Betreff: Schabbat an zwei Orten

Der Server meiner Website befindet sich physisch in Dallas, Texas.

Am Freitagnachmittag habe ich eine neue Seite fertiggestellt. Allerdings habe ich die Dateien noch nicht auf den Server hochgeladen.

Es ist jetzt 22:00 Uhr Motzei Schabbat in Israel (etwa 80 Minuten nach Hawdallah), aber in Dallas endet Schabbat erst um 21:22 Uhr Ortszeit (d.h. in weiteren sechs Stunden oder so).

Frage: Muss ich bis 04:30 warten, um die Dateien auf meinen Server hochzuladen?

 

Revers der gleichen Frage.

Kann jemand in Österreich, Deutschland oder der Schweiz an einem Freitagnachmittag auf die Kotel-Kamera zugreifen, wenn in Jerusalem schon Schabbat ist, aber in Wien, Berlin, Frankfurt oder Zürich ist es noch Yom Chol?


Schalom Herr HaLevi,

Nein, Sie müssen nicht warten. Die Halacha richtet sich danach, wo man sich zu welchem Zeitpunkt befindet. Ist man an einem Ort an dem der Schabbat bereits vorbei ist, sagen wir Berlin oder Frankfurt und möchte zum Beispiel ein Fax an seine Verwandten in den USA schicken, so können seine Liebsten dort das Faxgerät vor Schabbat einschalten und auf Empfang stellen. Aufmerksamkeit wäre dann darauf zu richten, dass das Blatt in der richtigen Richtung gedruckt wird, damit der Empfänger es nicht umdreht und bewegt, da es Muktze ist. Muktze bedeutet, es wurde "beiseite gelegt", da uns unsere Chachamim eine vollständige, echte Ruhe an Schabbat ermöglichen wollten.

 

Revers der gleichen Frage.

Dies ist gestattet, aus demselben Grund wie in Ihrer vorherigen Frage (noch kein Schabbat an dem Ort der Aktivität, und es ist in diesem Fall halachisch nicht von Bedeutung dass in Jerusalem bereits Schabbat ist.

In der Tat, Sie können ein elektrisches Gerät aktivieren in einer Zeitzone, die bereits/noch den Schabbat feiert. Die Voraussetzung ist aber, dass das Gerät keinen Lärm macht, dass heisst z.B. das Telefon sollte ausgeschaltet sein. Dies nennt sich אוו שי מילתא - gesprochen "Aw sche Milsa" und ist aramäisch für "viel Lärm", so ist es z.B. nicht gestattet an Schabbat eine Waschmaschine zu betreiben, da sie Lärm macht und andere Menschen denken es würde der Schabbat entheiligt. Dieses Verbot gehört zur Gruppe von Marit Ayin, den Eindruck zu erwecken etwas fände nicht nach Gesetz der Torah statt.

DISCLAIMER: Man kann die Halachot in den beiden Fragen nicht auf alle Fälle übertragen: So sollte man an dem Ort der noch kein oder bereits Schabbat hat z.B. kein Telefon klingeln lassen, da es lautes Geräusch macht und dies ein separates Verbot ist. Leute würden unter dem Eindruck stehen, der Schabbat würde verletzt, G-tt behüte.

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 

Die Fragen können mit vollen Namen oder anonym gestellt werden. Sie werden auf der Webseite veröffentlicht, außer der Fragesteller ist dagegen. Wir halten uns das Recht vor, Fragen, die unangemessen sind (nichts mit Judentum zu tun haben, Missionsversuche, Fragen zu Themen, die religiöse Gefühle verletzen usw.) nicht zu beantworten und zu veröffentlichen.

Zu Rabbiner Daniel Schiffer:

Rabbiner Daniel Schiffer lebt mit seiner Frau und Kindern in Jerusalem. Er hat dort in mehreren Jeschiwot gelernt und hat seine Smicha in Kollel Tzemach Tzedek in der Altstadt erhalten. Hier ein Link zum Kollel.

Rabbiner Daniel Schiffer ist der Autor der wöchentlichen Torah-Rundschreiben "Parascha LeMaisse" (in Hebräisch) und "Der Wochenabschnitt" (in Deutsch), die auch auf dieser Website erscheinen.

transparent to purple gradient