Frag den Rabbi:
Schabbat

Fragen an den Rabbi: Schabbat

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Hier beantwortet Rabbiner Schiffer Ihre Fragen zum Thema "Schabbat".

Der Schabbat ist der jüdische Tag der Ruhe - er fängt Freitag bei Sonnenuntergang an und geht bis Samstagnacht, wenn drei Sterne am Himmel auftauchen. Der Schabbat soll eingehalten und erinnert werden. Dies steht bereits in den Zehn Geboten. Insgesamt gibt es 39 sogenannte M'lachot (Arbeiten), die am Schabbat verboten sind. Nach einigen Meinungen ist Schabbat der höchste Feiertag im Judentum, und noch bedeutender als Jom Kippur, der oft als höchster Feiertag des Judentums gilt.

Schabbat (von lischbot, „unterlassen“ oder „aufhören“), Tag der Heiligkeit und Ruhe, der von den Juden vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Einbruch der Dunkelheit des folgenden Tages begangen wird. Die Zeiteinteilung folgt der biblischen Schöpfungsgeschichte: „Und es wurde Abend und es wurde Morgen, eines Tages(B'reschit, 1. Mose 1,5).

Die Heiligkeit des Sabbats hat die Juden im Laufe ihrer langen Geschichte vereint und war für sie eine freudige Erinnerung an ihren ewigen Bund mit Gtt. Dennoch hielten es die Propheten oft für notwendig, die Juden an Gttes Gebot zu erinnern, den Schabbat heilig zu halten. Da es für die Einhaltung des Schabbats von grundlegender Bedeutung war, sich von der Arbeit zu enthalten, stellte Gtt auf wundersame Weise am Freitag eine doppelte Portion Manna („Brot vom Himmel“) zur Verfügung, damit die Israeliten während ihrer 40-jährigen Wanderung durch die Wüste nicht gezwungen waren, am Schabbat Nahrung zu sammeln.

In jüdischen Häusern zündet die Frau des Hauses am Freitagabend vor Sonnenuntergang weiße Sabbatkerzen an und spricht einen Segensspruch. Dem folgenden Schabbatmahl geht der Kiddusch (Segen der Heiligung) voraus. In der Synagoge wird während des Morgengebetes am Schabbat ein Teil der Tora (Paraschat HaSchawua oder Wochenabschnitt) gelesen, gefolgt vom Singen der Hafṭara (eine Auswahl der Propheten). Auch Psalmen gehören zur Tagesliturgie. Mittags wird nach der Synagoge wird ein anderer Kiddusch rezitiert und ein weiteres Festmahl eingenommen. Ein besonderer Segen (Havdala), der den Gedanken der Trennung (zwischen Sabbat und Wochentagen, zwischen Heiligem und Profanem und zwischen Licht und Dunkelheit) betont, schließt den Sabbat ab.

Eine Reihe von Schabbaten während des jüdischen religiösen Jahres haben unterschiedliche Bezeichnungen.

Für jeden dieser Schabbate gibt es auch eine besondere Hafṭara.


Fragen und Antworten

Thema: Schabbat

Was ist eigentlich die Logik von "Klei Schlischi" (am Schabbat muss man heisses Wasser zuerst in ein leeres Glass fuellen und erst von dort in den Becher/das Glass mit Tee oder Kaffee)?

Angeblich soll damit vermieden werden, dass der Tee oder Kaffee gekocht wird.

Aber das passiert dann doch einen Schritt spaeter!

Warum also das Umfuellen?


Sehr geehrter Herr Potaschnik,

Will man sich an Schabbat ein heißes Getränk zubereiten, so füllt man das heiße Wasser von einem speziellen Wasserkocher, dessen Gebrauch an Schabbos gestattet ist (oder von einem Topf mit heißem Wasser der auf der Platte steht) in eine Tasse (= KLi Sheni) und von dort in eine zweite Tasse (= Kli Schlischi). Dann tut man obenauf den Teebeutel, Kaffee, Kakao oder ähnliches.

Sie fragen, „wenn kochen doch an Schabbat verboten ist, so wird der Tee eben in dem Kli Schlischi gekocht-?-

Die Antwort ist, „Kli Scheni Eyno Mewaschel(Schulchan Aruch HaRav, חלק ב, סימן שיח, Schmirat Schabbat Kehilchatah 2. Auflage, 1. Band): Alles nach einem Kli Rischon (erstes Gefäß), also einem Gefäß dass in direktem Kontakt zur Hitzequelle Stand, hat nicht die Fähigkeit zu kochen, weil die Wände des Gefäßes nicht genug Hitze speichern, um den Inhalt zu kochen.

Eine wichtige Anmerkung zu ihrer Frage. Es ist dabei darauf zu achten, das man den Tee, Kaffee, etc. in dass Wasser in einem Kli Schlischi (drittes Gefäß) schüttet, und nicht das Wasser von einem zweiten Gefäß auf den Tee, Kaffee, etc, die sich im dritten Gefäß befinden. So führt man sich aufgrund einer Chaschasch (Befürchtung, dass wie nach Meinung einiger Autoritäten, ein Kli Scheni doch noch kocht.) Bei einem Kli Schlischi kann man sich dann aber sicher sein, dass er definitiv nicht die Kapazität hat zu kochen, wie oben beschrieben.

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 
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    Rubrik: Umweltschutz

Meine Mutter hatte ein spezielles Besteck und Geschirr für Schabbat. Es war schöner, glanzvoller – wirklich "Schabbesdig".

Ich habe versucht, ihrer Tradition zu folgen und ein besonders schönes Schabbat- Geschirr zu benutzen.

Wir haben unserer Tochter auch eine äußerst hübsche Schabbat Ausstattung gekauft.

Am Schabbat bevorzugen sie und ihr Mann jedoch Einweggeschirr aus Plastik. Es ist nicht nur hässlich und durchaus nicht feierlich, sondern auch umweltschädlich.

Mit welchen Argumenten kann ich sie und ihren Kolel-besuchenden Ehemann überzeugen?


Sehr geehrte Frau Günsberger,

Sie fragen, wie Sie Ihre Tochter und Ihren Mann dazu überzeugen können, von Plastikgeschirr auf das mehr 'Schabbosdike', elegante Porzellangeschirr umzustellen.

Es ist in der Tat so, dass schönes Porzellangeschirr den Schabbos-Tisch sehr aufwertet.
Aber leider muss man auch berücksichtigen, dass viele fromme jüdische Familien G-tt sei Dank mit vielen Kindern gesegnet sind und es viele Aufgaben im Haus gibt und Geschirrspülen nicht zu den Favoriten zählt. Darüber hinaus gibt es oftmals keinen Helfer, und wenn ist auch der schon mit anderen Aufgaben ausgelastet. Dazu kommt, dass Kinder gerne Geschirr zerbrechen. Da bietet es sich verständlicherweise sehr an, Einweggeschirr zu verwenden. Der Nachteil ist, dass das Plastikgeschirr nicht abbaubar ist und somit die Umwelt belastet, wie Sie erwähnen. In Anbetracht des Aufwandes von echtem Geschirr benutzen viele Familien daher das praktischere Einweggeschirr.

Ich kann ihnen nicht sagen, dass dies laut Halacha verboten ist. Chasal, unsere Weisen, sagen uns zerstöre nicht die Welt. Doch dies gilt nur für Dinge, die bereits festgelegt wurden. Wir haben nicht das Recht, neue Sachen hinzuzufügen.

Trotz all dem kann ich ihren Wunsch, dass das schöne Porzellangeschirr bei Ihren Enkelkindern benutzt wird, verstehen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, Ihrer Tochter von der Schönheit des Porzellangeschirrs und damit des gesamten Schabbos-Tisches und -Erlebnisses aus rationaler Sicht und ohne Druck zu überzeugen, so wäre dies die beste Vorgehensweise.

Umgangssprachlich formuliert ist es ist 'mechaje', echtes Geschirr zu benutzen und man fühlt sich wie ein 'Mensch'; Alternativ könnten Sie anbieten für einige Wochen eine Helferin zu spendieren, die beim abwaschen hilft. Oftmals stellen sich dafür junge Mädchen zur Verfügung, die nicht viel Geld verlangen. Haben Ihre Tochter und Ihr Mann dann den Vorteil von echtem Geschirr erkannt, werden sie es vielleicht dauerhaft bei sich einführen. Es ist aber keine Angelegenheit von 'Alles oder Nichts', und wenn es für Ihre Tochter leichter und praktikabel ist, so sollte sie dann das Plastikgeschirr verwenden können. Es ist ein schwieriges Unternehmen und sollte es nicht funktionieren, seien Sie nicht enttäuscht, denn es ist heutzutage nicht mehr praktikabel nur echtes Geschirr zu verwenden.

Es gibt einen Standpunkt aus Sicht der heiligen Torah: In Paraschat Behar im Buche Wajikra (Leviticus) teilt die Torah den Leviten das Recht auf das Eigentum von Städten im Lande Israel zu, und benutzt den Ausdruck 'ewiges Erbe'. Unsere Weisen, über 3000 Jahre zurück, lernen daraus ein interessantes Gesetz: Wenn eine Fläche als öffentliche Fläche bestimmt wurde, kann sie nicht anderweitig designiert werden – und dies gilt für alle Generationen. Mit anderen Worten, jede Generation hat das Recht darauf.

So ist es auch mit Umweltschutz. Nutzen, den wir von unseren Vorvätern erhalten haben, müssen wir präservieren. Alles in dieser Welt funktioniert auf perfekte Weise, und wir müssen diese Welt erhalten, so wie wir sie bekommen haben.

Wie Sie sehen – es ist eine Debate mit vielem Für und Wider. Doch eines ist sicher: Die Torah zwingt einen nicht, sich das Leben zu erschweren:
Die Wege der Torah sind angenehm und ihre Pfade Frieden(Mischley [Sprüche]: 3 17)

"דרכיה דרכי נועם וכל נתיבותיה שלום" (משלי ג, יז) .

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 
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Am Schabbat war ich mittags eingeladen. Der Gastgeber hatte keinen Flaschenöffner fuer den Wein (zum Kiddusch) und schlug vor, mit einer Schraube und Schraubenzieher die Weinflasche zu öffnen. Ist das am Schabbat erlaubt? Ich füge hinzu, dass der Gastgeber meinte, er habe das schon mal an einem Wochentag ausprobiert.

Koltuv,

Ben Rosendahl, Ramat Gan


Schalom Benjamin,

Es ist in der Tat erlaubt an Schabbat eine Flasche mit einem Schraubenzieher und einer Schraube zu öffnen. Dies ist sogar lechatchila gestattet , das heisst also in diesem Zusammenhang als reguläre Praxis (siehe unten), vorausgesetzt es gibt keinen echten Korkenzieher (Schemirat Schabbat Kehilchata).

Etwas zum Hintergrund: Es gibt bestimmte Dinge, die an Schabbat nicht bewegt werden dürfen, genannt Muckze (Issur Tiltul). Maimonides (Mischneh Torah, Hilchot Schabbat 24:12) erklärt, dass "die Weisen verboten haben gewisse Dinge and Schabbat handzuhaben, wie an einem üblichen Wochentag". Dies ist eine logische Ableitung der Worte des Propheten Yeshayahu (58:13,14), der uns ermahnt am Schabbat anders als am Wochentag zu gehen und zu sprechen. Es ist ein Kal WaChomer, d.h. umso mehr sollte man dann Objekte anders oder im Ganzen nicht handhaben. Sonst würde man an Schabbat etwas mit jedem Objekt dass man berührt zu tun finden, und man könnte den Schabbat nicht mehr als Ruhetag genießen.

Ihr Fall: Schraubenzieher und Schraube gehören zur Kategorie von Kli SheMelachto LeIssur, das heißt ein Gegenstand, dessen Benutzung im Allgemeinen an Schabbat nicht gestattet ist. Die Ausnahme ist, wenn es für eine gestattete Aktivität ist (so wie in Ihrem Fall).

Wird aber dieses Objekt außerhalb Schabbat mindestens genauso oft für eine erlaubte Aktivität, wie für eine verbotene Aktivität benutzt, so ist sogar der ständige Gebrauch an Schabbat gestattet (und es ist nicht mehr in der Kategorie von Kli SheMelachto LeIssur, sondern wird genannt Kli sheMelachto LeHeter (Schemirat Schabbat Kehilchata)). Man könnte es also in einen erlaubten Gegenstand umwandeln.

Bleibt es ein Kli SheMelachto LeIssur (ein Gegenstand dessen üblicher Gebrauch an Schabbat verboten ist), kann es jedoch für einen erlaubten Gebrauch benutzt werden. Der Nachteil ist, dass man dann einen Muckze Gegenstand hat sobald man ihn hinlegt und dies peinlich auf die Gäste wirken wird (Wer möchte schon einen Schraubenzieher und Schraube in Sichtweite oder womöglich auf dem Schabbos-Tisch liegen haben). Es wäre für Ihren Bekannten daher empfehlenswert, sich einen richtigen Flaschenöffner zuzulegen.

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 
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Schalom Rabbi,

Endlich (nach jahrelange „nudjen“ meiner Frau) habe ich mir ein Hörgerät bestellt.

Normalerweise – wird das Gadget nachts herausgenommen, ausgeschaltet und morgens eingeschaltet und wieder eingesetzt.

Hier die Frage:

Natürlich kann ich das Gerät am Schabbat nicht ein- und ausschalten.

Wenn ich es jedoch anlasse, kann ich es in mein Ohr stecken oder nicht (damit zu schlafen ist keine Option).


Schalom Herr Auerbach,

Es ist gestattet ein Hörgerät an Schabbat zu benutzen, vorausgesetzt - wie Sie schon richtig schreiben - es vor Schabbat eingeschaltet wurde.
(Schemirat Schabbat Kehilchata, 2. Auflage, Band I, Rabbi Yehoshua Yeshaya Neuwirth)

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 
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Betreff: Schabbat an zwei Orten

Der Server meiner Website befindet sich physisch in Dallas, Texas.

Am Freitagnachmittag habe ich eine neue Seite fertiggestellt. Allerdings habe ich die Dateien noch nicht auf den Server hochgeladen.

Es ist jetzt 22:00 Uhr Motzei Schabbat in Israel (etwa 80 Minuten nach Hawdallah), aber in Dallas endet Schabbat erst um 21:22 Uhr Ortszeit (d.h. in weiteren sechs Stunden oder so).

Frage: Muss ich bis 04:30 warten, um die Dateien auf meinen Server hochzuladen?

 

Revers der gleichen Frage.

Kann jemand in Österreich, Deutschland oder der Schweiz an einem Freitagnachmittag auf die Kotel-Kamera zugreifen, wenn in Jerusalem schon Schabbat ist, aber in Wien, Berlin, Frankfurt oder Zürich ist es noch Yom Chol?


Schalom Herr HaLevi,

Nein, Sie müssen nicht warten. Die Halacha richtet sich danach, wo man sich zu welchem Zeitpunkt befindet. Ist man an einem Ort an dem der Schabbat bereits vorbei ist, sagen wir Berlin oder Frankfurt und möchte zum Beispiel ein Fax an seine Verwandten in den USA schicken, so können seine Liebsten dort das Faxgerät vor Schabbat einschalten und auf Empfang stellen. Aufmerksamkeit wäre dann darauf zu richten, dass das Blatt in der richtigen Richtung gedruckt wird, damit der Empfänger es nicht umdreht und bewegt, da es Muktze ist. Muktze bedeutet, es wurde "beiseite gelegt", da uns unsere Chachamim eine vollständige, echte Ruhe an Schabbat ermöglichen wollten.

 

Revers der gleichen Frage.

Dies ist gestattet, aus demselben Grund wie in Ihrer vorherigen Frage (noch kein Schabbat an dem Ort der Aktivität, und es ist in diesem Fall halachisch nicht von Bedeutung dass in Jerusalem bereits Schabbat ist.

In der Tat, Sie können ein elektrisches Gerät aktivieren in einer Zeitzone, die bereits/noch den Schabbat feiert. Die Voraussetzung ist aber, dass das Gerät keinen Lärm macht, dass heisst z.B. das Telefon sollte ausgeschaltet sein. Dies nennt sich אוו שי מילתא - gesprochen "Aw sche Milsa" und ist aramäisch für "viel Lärm", so ist es z.B. nicht gestattet an Schabbat eine Waschmaschine zu betreiben, da sie Lärm macht und andere Menschen denken es würde der Schabbat entheiligt. Dieses Verbot gehört zur Gruppe von Marit Ayin, den Eindruck zu erwecken etwas fände nicht nach Gesetz der Torah statt.

DISCLAIMER: Man kann die Halachot in den beiden Fragen nicht auf alle Fälle übertragen: So sollte man an dem Ort der noch kein oder bereits Schabbat hat z.B. kein Telefon klingeln lassen, da es lautes Geräusch macht und dies ein separates Verbot ist. Leute würden unter dem Eindruck stehen, der Schabbat würde verletzt, G-tt behüte.

Alles Gute,

Rabbiner Daniel Schiffer

 

Die Fragen können mit vollen Namen oder anonym gestellt werden. Sie werden auf der Webseite veröffentlicht, außer der Fragesteller ist dagegen. Wir halten uns das Recht vor, Fragen, die unangemessen sind (nichts mit Judentum zu tun haben, Missionsversuche, Fragen zu Themen, die religiöse Gefühle verletzen usw.) nicht zu beantworten und zu veröffentlichen.

Zu Rabbiner Daniel Schiffer:

Rabbiner Daniel Schiffer lebt mit seiner Frau und Kindern in Jerusalem. Er hat dort in mehreren Jeschiwot gelernt und hat seine Smicha in Kollel Tzemach Tzedek in der Altstadt erhalten. Hier ein Link zum Kollel.

Rabbiner Daniel Schiffer ist der Autor der wöchentlichen Torah-Rundschreiben "Parascha LeMaisse" (in Hebräisch) und "Der Wochenabschnitt" (in Deutsch), die auch auf dieser Website erscheinen.

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