Bo - Spiegelbild der Schöpfung
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt „Bo“ [בֹּא]. Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben, kann dieses Wort (Bo) als „komme“ oder „trete ein“ übersetzt werden.
Es ist dies auch die Geschichte des Anfangs des Auszugs aus Ägypten, und die erste Mizwahⓘמִצְוָוה
Gebot findet sich auch hier.
- Was hat es aber mit den Zehn Plagen auf sich, von denen 7 in der Paraschah von letzter Woche und die letzten 3 in dieser Paraschah aufgezählt werden,
- Was ist die Verbindung zu der Schöpfungsgeschichte von B’reschit [בְּרֵאשִׁית – Genesis, 1. Buch Mose]?
Und es wurde Licht Dunkelheit
”וְכִסָּה֙ אֶת־עֵ֣ין הָאָ֔רֶץ וְלֹ֥א יוּכַ֖ל לִרְאֹ֣ת אֶת־הָאָ֑רֶץ וְאָכַ֣ל ׀ אֶת־יֶ֣תֶר הַפְּלֵטָ֗ה הַנִּשְׁאֶ֤רֶת לָכֶם֙ מִן־הַבָּרָ֔ד וְאָכַל֙ אֶת־כׇּל־הָעֵ֔ץ הַצֹּמֵ֥חַ לָכֶ֖ם מִן־הַשָּׂדֶֽה׃“
(שמות י' ה')
„Und sie werden verhüllen das Auge der Erde, dass man nicht vermag, die Erde zu sehen, und werden wegfressen den verschonten Rest, der euch übergeblieben von dem Hagel, und werden fressen alle Bäume, die aufgeblüht sind auf dem Feld.“
(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 10: 5)
Was ist hier passiert?
Die Heuschreckenplage macht die Erde dunkel. Das erinnert sehr stark an die Schöpfungsgeschichte, nur in umgekehrter Richtung: Dort war es anfangs dunkel, bis HaSchem eine Quelle für das Licht schuf.
Überhaupt hebt jede Plage einen Aspekt der Schöpfung auf:
- So spiegelt Aarons Bezeichnung der blutigen Gewässer Ägyptens als Miqweh [מִקְוֵה], „eine Sammlung“ des Wassers, die Sprache der Schöpfungsgeschichte wieder, wo am dritten Tag die Miqweh (die Gewässer) vom trockenen Land getrennt werden:
”וַיֹּ֨אמֶר יְהֹוָ֜ה אֶל־מֹשֶׁ֗ה אֱמֹ֣ר אֶֽל־אַהֲרֹ֡ן קַ֣ח מַטְּךָ֣ וּנְטֵֽה־יָדְךָ֩ עַל־מֵימֵ֨י מִצְרַ֜יִם עַֽל־נַהֲרֹתָ֣ם ׀ עַל־יְאֹרֵיהֶ֣ם וְעַל־אַגְמֵיהֶ֗ם וְעַ֛ל כׇּל־מִקְוֵ֥ה מֵימֵיהֶ֖ם וְיִֽהְיוּ־דָ֑ם וְהָ֤יָה דָם֙ בְּכׇל־אֶ֣רֶץ מִצְרַ֔יִם וּבָעֵצִ֖ים וּבָאֲבָנִֽים׃“
(שמות ז' י"ט)
„Und HaSchem sprach zu Moscheh: Sprich zu Aharon: Nimm deinen Stab und strecke deine Hand aus gegen die Gewässer Mizrajims, gegen ihre Ströme, gegen ihre Flüsse, gegen ihre Teiche und gegen all ihre Wasserbehälter (Miqweh), dass sie zu Blut werden; und so wird Blut sein im ganzen Land Mizrajim, auch in Holzgeräten und in Steingeräten.“
(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 7: 19)
Und
”וַיִּקְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ לַיַּבָּשָׁה֙ אֶ֔רֶץ וּלְמִקְוֵ֥ה הַמַּ֖יִם קָרָ֣א יַמִּ֑ים וַיַּ֥רְא אֱלֹהִ֖ים כִּי־טֽוֹב׃“
(בראשית א' י')
„Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung (Miqweh) der Wasser nannte er Meere, und Gott sah, dass es gut war.“
(B’reschit, Genisis, 1. Buch Moses, 1: 10)
- Die fünfte und sechste Plage, Viehseuche und wilde Tiere, zerstören alle Tiere - was die Erschaffung der Tiere am fünften Tag der Schöpfung widerspiegelt.
- Die siebte und achte Plage, Feuerhagel und Heuschreckenplage, vernichten die gesamte Pflanzenwelt, was die Erschaffung der Pflanzen am zweiten Tag der Schöpfung widerspiegelt.
- Die neunte Plage (siehe oben) spiegelt Haschems Fähigkeit, Licht und Finsternis zu trennen, wieder:
”וַיַּ֧רְא אֱלֹהִ֛ים אֶת־הָא֖וֹר כִּי־ט֑וֹב וַיַּבְדֵּ֣ל אֱלֹהִ֔ים בֵּ֥ין הָא֖וֹר וּבֵ֥ין הַחֹֽשֶׁךְ׃“
(בראשית א' ד')
„Und Gott sah das Licht, dass es gut war, und Gott schied zwischen dem Licht und der Finsternis.“
(B’reschit, Genisis, 1. Buch Moses, 1: 4)
- Die zehnte und letzte Plage, der Tod der Erstgeborenen, nimmt dem Menschen das Leben selbst zurück.
Anders ausgedrückt: Das, was HaSchems Schöpfung vollendet, ist zugleich der Höhepunkt der Zerstörung in Ägypten.
Daher lehren uns die Zehn Plagen eine wichtige Lektion: Es gibt eine untrennbare Verbindung zwischen Natur und kollektiver Moral!
Unsere unmoralischen Entscheidungen richten sich gegen den Schöpfer und gegen die Schöpfung - und führen zur Zerstörung der Schöpfung, und letztendlich zu unserer Zerstörung.
Im Umkehrschluß sind wir dazu aufgerufen, unsere Beziehung zu HaSchem und alles, was er erschaffen hat, neu zu überdenken und uns zum Wohle der gesamten Schöpfung auszurichten.