Balaq - Am keLawi [ein Volk wie ein Löwe - עָם כְּלָבִיא]
Der Name der Militäroperation des kürzlich beendeten Krieges zwischen Israel und Iran ist von der Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt dieser Woche.
- Wie passt die Metapher des wilden Löwen zum Volk Israel, das von Chasalⓘ חז״ל
Unsere Weisen z”l
(Die Weisen der Mischnah- und Talmud-Ära) als schüchtern und barmherzig bezeichnet wird? - Was ist die Verbindung der Haftarahⓘהַפְטָרָה
Abschluss, Entlassung, Abschied hierbei?
Ein Volk wie ein Löwe (gegen die Feinde)
”הֶן־עָם֙ כְּלָבִ֣יא יָק֔וּם וְכַאֲרִ֖י יִתְנַשָּׂ֑א לֹ֤א יִשְׁכַּב֙ עַד־יֹ֣אכַל טֶ֔רֶף וְדַם־חֲלָלִ֖ים יִשְׁתֶּֽה׃“
(במדבר כ"ג כ"ד)
„Siehe da, ein Volk, wie eine Löwin erhebt es sich, und wie ein Löwe richtet es sich auf; es legt sich nicht, bis es verzehrt hat den Raub, und das Blut der Erschlagenen getrunken.“
(BaMidbar, Numeri, Buch Moses 23: 24)
Dies sind die Worte, die Israels Premierminister Netanjahu auf am 12. Juni 2025 auf einen Zettel schrieb, den er in die Klagemauer in Jerusalem steckte (an G´tt gerichtete Wünsche und Bitten werden oft auf diese Weise gestellt). Am nächsten Tag fing die israelische Militäroperation gegen die Nuklearanlagen im Iran an, die den Namen „Am keLawi“ (ein Volk wie ein Löwe) bekam.
Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben, kamen diese Worte aber NICHT von HaSchem oder von einem Propheten, sondern von Bileam [בִּלְעָם – Bil‘am], einen gelinde gesagt, dem Volk Israel nicht sehr gut gesinnten Magier, der vom König der Moabiter, Balaq (dito) geschickt wurde, um das Volk Israel zu verfluchen!
Diese Worte haben, siehe oben, den israelischen Premierminister inspiriert. Waren sie aber ursprünglich inspirierend gemeint?
Rabbi Yaakov Ariel schlit”a sieht diese Äußerungen als Teil von Bileams „Propagandamaschine“ (Maahlei Torah, Teil B, Seite 73):
„Das ist die Art von Führern wie Balaq und Bileam: Sie übertreiben die Fakten und schüren Massenhysterie, um Israel in einem verzerrten, beängstigenden, verleumderischen und hasserfüllten Licht darzustellen.“ (eigene Übersetzung)
Er beruft sich dabei u.a. auf den Talmud, der das Volk Israel auf eine Art darstellt, die mit Löwen - zumindest auf den ersten Blick - nichts zu tun hat:
„„Es gibt drei Zeichen dieser Nation: die Barmherzigkeit, die Bescheidenheit und die Taten der Güte.“ ((Talmud, Jewamot 79))
Ein Volk wie ein Löwe (gegen den inneren Schweinehund)
”הֶן־עָם֙ כְּלָבִ֣יא יָק֔וּם וְכַאֲרִ֖י יִתְנַשָּׂ֑א לֹ֤א יִשְׁכַּב֙ עַד־יֹ֣אכַל טֶ֔רֶף וְדַם־חֲלָלִ֖ים יִשְׁתֶּֽה׃“
(במדבר כ"ג כ"ד)
„Siehe da, ein Volk, wie eine Löwin erhebt es sich, und wie ein Löwe richtet es sich auf; es legt sich nicht, bis es verzehrt hat den Raub, und das Blut der Erschlagenen getrunken.“
(BaMidbar, Numeri, Buch Moses 23: 24)
Raschi sagt: Das Volk (Israel) wird sich wie ein Löwe erheben – vom Schlaf aufstehen wird das Volk Israel wie ein Löwe, um Mizwotⓘמִצְוָוה
Gebot,
plural: מִצְווֹת
Mizwot zu erfüllen!
Natürlich kann – wie Friedrich Schillers Wilhelm Tell einst sagte – „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Aber es ist nicht nur der äußere Feind, den wir wie einen Löwen bekämpfen müssen, sondern auch der Innere! Der Jezer HaRa’ⓘיֵצֶר הָרַע
Trieb des Bösen. Der “innere Schweinehund” wird in der Kabbalah auch „Nefesch HaB‘hamit“ (נֶפֶשׁ הַבְּהֵמִית - tierische Seele) genannt, ähnlich dem „Es“ bei Freud. Und dieses Tier - der eigenen Seele - müssen wir überwinden und besiegen, so wie ein Löwe.
Der Rat Balaqs
”עַמִּ֗י זְכׇר־נָא֙ מַה־יָּעַ֗ץ בָּלָק֙ מֶ֣לֶךְ מוֹאָ֔ב וּמֶה־עָנָ֥ה אֹת֖וֹ בִּלְעָ֣ם בֶּן־בְּע֑וֹר מִן־הַשִּׁטִּים֙ עַד־הַגִּלְגָּ֔ל לְמַ֕עַן דַּ֖עַת צִדְק֥וֹת יְהֹוָֽה׃“
(מיכה ו' ה')
„Mein Volk, gedenke des Rates Balaqs, des Königs von Moab, und was Bileam, der Sohn Beors von Schittim, ihm auf dem Golgol angetan hat, um die Gerechtigkeit des HERRN zu erkennen.“
(Micha, 6: 5)
Die Haftarah bezieht sich direkt auf Balaq und Bileam. Auch hier stellt sich die Frage - was ist dieser Rat von Balaq bzw. Bileam? Welche Art von Löwen sollen wir sein? Der, der ein gnadenloser Krieger ist, der seine Feinde besiegt? Oder der, der seine Instinkte überwindet und seinen Mitmenschen sowie HaSchem gegenüber sich würdig verhält?
Sicherlich, und in beiden Fällen, ist aber das Kämpfen des Löwens nicht das Ziel, sondern das Mittel zum Ziel:
”הִגִּ֥יד לְךָ֛ אָדָ֖ם מַה־טּ֑וֹב וּמָֽה־יְהֹוָ֞ה דּוֹרֵ֣שׁ מִמְּךָ֗ כִּ֣י אִם־עֲשׂ֤וֹת מִשְׁפָּט֙ וְאַ֣הֲבַת חֶ֔סֶד וְהַצְנֵ֥עַ לֶ֖כֶת עִם־אֱלֹהֶֽיךָ׃“
(מיכה ו' ח')
„Er hat dir, o Mensch, gezeigt, was gut ist und was der Herr von dir verlangt: gerecht zu handeln, Barmherzigkeit zu lieben und demütig mit deinem Gott zu wandeln.“
(Micha, 6: 8)