Nizawim - - es ist sehr nah
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt Nizawim [נִצָּבִים], also „(vor HaSchem) versammelt“. Versammelt, unter anderem um über Gebote zu hören, die es einzuhalten gilt. Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben , ist die Einhaltung der Mizwotⓘמִצְוָוה
Gebot,
plural: מִצְווֹת
Mizwot „nicht im Himmel und nicht in Übersee, sondern sehr nahe (zu dir)“.
- Was heißt das?
Nicht im Himmel
”כִּ֚י הַמִּצְוָ֣ה הַזֹּ֔את אֲשֶׁ֛ר אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּ֑וֹם לֹא־נִפְלֵ֥את הִוא֙ מִמְּךָ֔ וְלֹ֥א רְחֹקָ֖ה הִֽוא׃ לֹ֥א בַשָּׁמַ֖יִם הִ֑וא לֵאמֹ֗ר מִ֣י יַעֲלֶה־לָּ֤נוּ הַשָּׁמַ֙יְמָה֙ וְיִקָּחֶ֣הָ לָּ֔נוּ וְיַשְׁמִעֵ֥נוּ אֹתָ֖הּ וְנַעֲשֶֽׂנָּה׃ וְלֹא־מֵעֵ֥בֶר לַיָּ֖ם הִ֑וא לֵאמֹ֗ר מִ֣י יַעֲבׇר־לָ֜נוּ אֶל־עֵ֤בֶר הַיָּם֙ וְיִקָּחֶ֣הָ לָּ֔נוּ וְיַשְׁמִעֵ֥נוּ אֹתָ֖הּ וְנַעֲשֶֽׂנָּה׃ כִּֽי־קָר֥וֹב אֵלֶ֛יךָ הַדָּבָ֖ר מְאֹ֑ד בְּפִ֥יךָ וּבִֽלְבָבְךָ֖ לַעֲשֹׂתֽוֹ׃“
(דברים ל' י"א – י"ד)
„Denn dies Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht verborgen und ist nicht fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf und holt es uns, und macht es uns kund, dass wir es tun. Und es ist nicht jenseits des Meeres, dass du sagest: Wer reist für uns jenseits des Meeres hin und holt es uns, und macht es uns kund, dass wir es tun. Sondern sehr nahe ist dir die Sache, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun. “
(D’warim, Deuteronomy, 5. Buch Moses 30: 11 - 14)
Vor zwei Wochen waren die Augen der Welt gen Himmel gerichtet - eine Mondfinsternis hüllte den Mond in ein dunkles Rot. Unsere Paraschah sagt uns aber genau das Gegenteil - NICHT die Augen gen Himmel richten, sondern „nah ist dir die Sache“.
Rabbiner Jonathan Sacks sz”l erzählte dazu folgende Geschichte, die er als Universitätsstudent oft hörte, und die sich Gerüchten zufolge in den späten 1960er Jahren ereignet hatte:
Eine nicht mehr junge jüdische Frau ging einst nach Indien, um einen ganz bekannten Guru dort aufzusuchen. Es war eine große Menschenmenge da, die alle darauf warteten, von dem großen Weisen eine Audienz zu erhalten.
Schließlich kam die Frau zum Zelt des Gurus, trat ein, und sagte: „Schloimi, es reicht, mein Kind! Höre auf mich, deine Mama, und komm nach Hause.“
Auch wenn diese Geschichte sich nicht 100% sich so ereignet hat, so beschreibt sie doch eine sehr verbreitete Charaktereigenschaft: Wir suchen die Spiritualität oft woanders, im fernen Indien oder im Dschungel von Südamerika - dabei ist die Weisheit so nah! Oder, wie es im Volksmund heißt:
Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
(Goethe, „Erinnerung“).
Denn Mizwot können wir machen, ohne unsere Straße zu verlassen, und einige auch, ohne unser Haus zu verlassen - wenn wir statt ferne Weisheiten unsere Nachbarn und unser eigenes Herz suchen.
Der Dalai Lama hat dies auch verstanden, und hat jüdischen Besuchern, die Harmonie, Meditation und Spiritualität suchen, immer wieder von einer Konversion abgeraten - denn all diese Elemente gibt es bei uns! Es ist nicht im Himmel (und auch nicht in Tibet), sondern sehr nahe bei uns! Stattdessen riet der Dalai Lama, die inneren Lehren des Judentums anzunehmen, die ebenfalls zu innerer Harmonie und Weltfrieden führen werden.
לֹא בַשָּׁמַיִם הִוא!
Lo WaSchamajim Hie!
Es ist nicht im Himmel!