Ha'asinu - - Leihe mir das Ohr!
Wie wir letzte Woche gelernt haben, ist die Torah oft Poesie und Gesang (statt Prosa) - so ist es auch unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt , die Ha´asinu [הַאֲזִינוּ] (siehe dazu auch hier) heißt.
- Ha’asinu übersetzt sich als „höre zu“ - aber es wird nicht das normale Wort für Zuhören שְׁמַע [Sch´ma’] benutzt.
- Warum?
Ha’asinu!
”הַאֲזִ֥ינוּ הַשָּׁמַ֖יִם וַאֲדַבֵּ֑רָה
וְתִשְׁמַ֥ע הָאָ֖רֶץ אִמְרֵי־פִֽי׃“(דברים ל"ב א')
„Horcht auf, ihr Himmel, und ich will reden;
und es höre die Erde die Worte meines Mundes.“(D’warim, Deuteronomy, 5. Buch Moses 32: 1)
Ha’asinu ist ein ungewöhnlicher hebräischer Begriff für „Höre zu“, der üblicherweise mit dem Wort „Sch’ma‘“ [שְׁמַע] ausgedrückt wird. In der King-James-Bibel wird Ha’asinu mit „Give ear“ – (Gib mir dein Ohr) übersetzt, was Shakespeare, der Jahrzehnte vor der Veröffentlichung dieser frühesten englischen Bibelübersetzung schrieb, bereits in seinem Stück „Julius Caesar“ verwendet hatte.
Rabbiner Samson Raphael Hirsch sz”l schreibt dazu in seinem Kommentar zu unserer Paraschah, dass das Wort „Ha’asinu“ eine größere Bereitschaft zum Zuhören und zum HANDELN ausdrückt als das Wort „Sch’ma’“, welches keine aktive Reaktion des Zuhörers erfordert, während „Ha’asinu“ eine direkte Aufforderung an den Zuhörer ist, sich zu engagieren.
Das passt sehr gut in den zweimonatigen ZeitraumⓘDer Monat Elul [אֱלוּל] bis Schmini Azeret [שְׁמִינִי עֲצֶרֶת] der T’schuwah ⓘתְּשׁוּבָה
Rückkehr (ein Korrekturprozess), in dem wir uns befinden: Es geht darum, den Hilferufen der Bedürftigen besser zuzuhören - und zu handeln! -, unseren Familien und Freunden besser zuzuhören - und zu handeln - und der leisen Stimme HaSchems (קוֹל דְּמָמָה דַקָּה - Kol D‘mamah Dkah, (1. Könige 19:13)), die in jedem von uns wohnt, besser zuzuhören - und einen Tikkunⓘתִּקּוּן
u.a. Reparatur zu machen.