Korach - Heilig sein oder heilig werden?
Unser Wochenabschnitt erzählt von der Rebellion Korachs, der - im Gegensatz zu Moscheh Rabbenu - das ganze Volk Israel für heilig erklärt.
- Was stimmt an dieser Einstellung nicht?
- Was hat das mit den Zizitⓘצִיצִית
religiöse Schaufäden zu tun, die in der Paraschah von letzter Woche erwähnt wurden?
Alle sind heilig (oder?)
”וַיִּֽקָּהֲל֞וּ עַל־מֹשֶׁ֣ה וְעַֽל־אַהֲרֹ֗ן וַיֹּאמְר֣וּ אֲלֵהֶם֮ רַב־לָכֶם֒ כִּ֤י כׇל־הָֽעֵדָה֙ כֻּלָּ֣ם קְדֹשִׁ֔ים וּבְתוֹכָ֖ם יְהֹוָ֑ה וּמַדּ֥וּעַ תִּֽתְנַשְּׂא֖וּ עַל־קְהַ֥ל יְהֹוָֽה׃“
(במדבר ט"ז ג')
„Und sie versammelten sich gegen Moscheh und Aharon und sprachen zu ihnen: Zuviel für euch! denn die ganze Gemeinde sind lauter Heilige, denn unter ihnen ist HaSchem, und warum erhebt ihr euch über die Versammlung von HaSchem?“
(BaMidbar, Numeri, Buch Moses 16:3)
Was ist an dieser Einstellung, dass alle heilig sind, eigentlich falsch? Einiges haben wir hier besprochen. Es gibt jedoch einen zusätzlichen Aspekt: Ist Heiligkeit etwas Angeborenes, etwas, das einem sprichwörtlich in die Wiege gelegt wird? Oder ist es etwas, das man sich hart erarbeiten muss?
Der folgende Passukⓘ פָּסוּק
Vers von der Schlach-L‘cha gibt auf diese Frage eine Antwort:
Heiligkeit als Aufgabe
”וְהָיָ֣ה לָכֶם֮ לְצִיצִת֒ וּרְאִיתֶ֣ם אֹת֗וֹ וּזְכַרְתֶּם֙ אֶת־כׇּל־מִצְוֺ֣ת יְהֹוָ֔ה וַעֲשִׂיתֶ֖ם אֹתָ֑ם וְלֹֽא־תָת֜וּרוּ אַחֲרֵ֤י לְבַבְכֶם֙ וְאַחֲרֵ֣י עֵֽינֵיכֶ֔ם אֲשֶׁר־אַתֶּ֥ם זֹנִ֖ים אַחֲרֵיהֶֽם“
(במדבר ט"ו ל"ט)
„Und das sei euch zu Zizit, dass wenn ihr sie ansehet, ihr euch erinnert aller Gebote von HaSchem und ihr sie tut, und ihr nicht umherspäht nach eurem Herzen und nach euren Augen, denen ihr nachbuhlt.“
(BaMidbar, Numeri, Buch Moses 15:39)
Der Unterschied zwischen den Auffassungen von „Heiligkeit“ von Korach und der der Mizwahⓘמִצְוָוה
Gebot von Zizit ist der springende Punkt: Während bei Korach alle heilig sind, gewissermaßen als Geschenk, geht es bei Zizit um eine Aufgabe, um die Forderung, heilig zu werden.
Wie Professor Jeschajahu Leibowitz es zusammenfasst:
Bei Zizit wird Heiligkeit im erhabensten Aspekt des Glaubenslebens und der religiösen Denkweise des Menschen ausgedrückt: dass er aufgefordert ist, eine Aufgabe auf sich zu nehmen. Nichts wird versprochen oder zugesichert.
Oder in den Worten eines bekannten Liedes: keinem wird ein Rosengarten versprochen.