Schmot - die andere „Arche“
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt „Schmot“ [שְׁמוֹת], also „Namen“. Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben , sind Namen in der Tat eines der Leitmotive der Paraschah.
Es ist aber vor allem die Geschichte von der Geburt und den Anfängen von Moscheh Rabbenu. Kurz nach seiner Geburt verschickt ihn seine Mutter Jochewed [יוֹכֶבֶד] in einem Schifflein aus Rohr, um sein Leben zu retten (Pharao hatte angeordnet, sämtliche männliche jüdischen Babys zu töten).
- Was hat es mit diesem Schifflein auf sich?
- Wie vergleicht es sich mit Noahs Arche - wobei im Hebräischen dasselbe Wort „Tejwah“ [תֵּיבָה] für Moscheh Rabbenus und Noahs „Arche“ benutzt wird?
Die Arche Moschehs
”וַיְצַ֣ו פַּרְעֹ֔ה לְכׇל־עַמּ֖וֹ לֵאמֹ֑ר כׇּל־הַבֵּ֣ן הַיִּלּ֗וֹד הַיְאֹ֙רָה֙ תַּשְׁלִיכֻ֔הוּ וְכׇל־הַבַּ֖ת תְּחַיּֽוּן׃“
(שמות א' כ"ב)
„Da gebot Pharao seinem ganzen Volk also: Jeglichen neugeborenen Sohn sollet ihr in den Fluss werfen, aber jegliche Tochter erhaltet am Leben.“
(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 1: 22)
Das ist die Ausgangssituation, die ein Todesurteil aller männlichen jüdischen Kinder darstellt. Kurz darauf gebiert eine Levitin ein Kind - einen Sohn.
Um ihn zu retten, tut sie folgendes:
”וְלֹא־יָכְלָ֣ה עוֹד֮ הַצְּפִינוֹ֒ וַתִּֽקַּֽח־לוֹ֙ תֵּ֣בַת גֹּ֔מֶא וַתַּחְמְרָ֥הֿ בַחֵמָ֖ר וּבַזָּ֑פֶת וַתָּ֤שֶׂם בָּהּ֙ אֶת־הַיֶּ֔לֶד וַתָּ֥שֶׂם בַּסּ֖וּף עַל־שְׂפַ֥ת הַיְאֹֽר׃“
(שמות ב' ג')
„Da sie ihn nicht ferner verbergen konnte, nahm sie für ihn ein Schifflein aus Rohr und verstrich es mit Harz und Pech, und tat hinein den Knaben und setzte es in das Schilf am Ufer des Flusses.“
(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 2: 3)
Das Wort Schifflein heißt im Hebräischen תֵּיבָה [Tejwah], also Büchse (so wie Pandoras Büchse) oder - wie bei Noach [נֹחַ] - Arche:
”עֲשֵׂ֤ה לְךָ֙ תֵּבַ֣ת עֲצֵי־גֹ֔פֶר קִנִּ֖ים תַּֽעֲשֶׂ֣ה אֶת־הַתֵּבָ֑ה וְכָֽפַרְתָּ֥ אֹתָ֛הּ מִבַּ֥יִת וּמִח֖וּץ בַּכֹּֽפֶר׃“
(בראשית ו' י"ד)
„Mache dir eine Arche von Gofer-Holz, mit Kammern mache die Arche, und überziehe sie von innen und von außen mit Pech.“
(B’reschit, Genesis, 1. Buch Moses 6:14)
Nachdem kein Wort der Torah zufällig gewählt ist, stellt sich die Frage, was Noachs Arche mit Moscheh Rabbenus Arche gemeinsam haben?
Rabbi Amnon Bazak bemerkt viele Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Archen: Beide sind aus Pflanzenmaterialien gefertigt und mit Teer abgedichtet, um ihren Inhalt zu schützen; beide sind so konstruiert, dass sie auf dem Wasser schwimmen; und beide retten die Person(en) darin vor dem sicheren Tod.
Doch es gibt auch deutliche Unterschiede zwischen den beiden Archen.
Im Fall der Arche Noach ist G-tt der Architekt und wacht während ihrer Nutzung über die Arche, während die „Arche Moscheh“ von seiner Mutter Jochewed (sie wird in dieser Paraschah noch nicht namentlich erwähnt) erbaut und während ihrer Nutzung von seiner Schwester Mirijam [מִרְיָם] überwacht wird.
Die Arche Noach war notwendig, weil die Menschheit es versäumt hatte, dem Bösen und der Tyrannei in ihrer Mitte entgegenzutreten, und daher ein Neuanfang nötig war.
Im Gegensatz dazu verkörpert die „Arche Moscheh“ die Fähigkeit der Menschheit, dem Bösen zu trotzen.
Und auch die Lebenswege von Noach und Moscheh Rabbenu sind sehr unterschiedlich:
Noach beginnt als rechtschaffener Mann mit Potenzial, endet aber als Trunkenbold.
Mosche Rabbenu hingegen wird in eine Familie adoptiert, die Tyrannei und Finsternis fördert (die Familie des Pharaos). Er geht zu seinen Brüdern, sieht die Finsternis, stellt sich ihr entgegen und beendet sein Leben als Zaddiq [צַדִּיק].
Und die Moral von der Geschicht?
Was ist ein möglicher Peruschⓘפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung? Die Kraft von Moscheh Rabbenu wurde ihm durch die „Arche“ gegeben, also durch einen selbstlosen Akt gegen die Tyrannei. Ohne es zu wissen, verinnerlichte er sie.
Und auch im Laufe der Geschichte gab es Menschen, die eine „Arche Moses“ bauten, und innere Stärke mobilisierte, sich dem Bösen entgegenstellte und Tyrannei bekämpfte.
Mögen auch wir danach streben, es ihnen gleichzutun