Pinchas - aber nicht nur er
Über den „sanften Fanatiker“, der unserer Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt den Namen gibt, und dessen Hauptheld ist, haben wir schon öfter gesprochen, u.a. hier und hier.
Unser Wochenabschnitt hat aber auch ein weiterer Protagonist, genauer gesagt, fünf:
- Die Töchter von Zelafchad [צְלָפְחָד]. Sie fechten niemanden anders als Moscheh Rabbenu an, und niemand geringeres als der Ewige gibt ihnen Recht!
Zelafchad, Abu al-Banat (أبو البنات)
”וּצְלׇפְחָ֣ד בֶּן־חֵ֗פֶר לֹא־הָ֥יוּ ל֛וֹ בָּנִ֖ים כִּ֣י אִם־בָּנ֑וֹת וְשֵׁם֙ בְּנ֣וֹת צְלׇפְחָ֔ד מַחְלָ֣ה וְנֹעָ֔ה חׇגְלָ֥ה מִלְכָּ֖ה וְתִרְצָֽה׃“
(במדבר כ"ו ל"ג)
„Und Zelafchad der Sohn von Chefer, hatte keine Söhne, nur Töchter, und die Töchter Zelafchads hießen Machlah und No‘ah, Choglah, Milkah und Tirzah.“
(BaMidbar, Numeri, Buch Moses 26: 33)
Hier werden die Töchter Zelafchads zum ersten Mal erwähnt. In der Tradition des Nahen Ostens (die immer noch in vielen Ländern dort gehalten wird) haben Frauen keine oder wenig Rechte, was sich u.a. auch da zeigt, dass ein Vater einen ehrenvollen Titel nach seinem erstgeborenen Sohn bekommt: „Abu (Name des Sohnes)“, also (arabisch) „der Vater von…“ – z.B Abu Yussuf (أبو يوسف). Hat er allerdings nur Töchter, wird er mitleidig „Abu al-Banat“ (أبو البنات), „der Vater von Töchtern“ genannt, die natürlich nicht namentlich erwähnt werden.
Erbrecht, auch für Frauen
”לָ֣מָּה יִגָּרַ֤ע שֵׁם־אָבִ֙ינוּ֙ מִתּ֣וֹךְ מִשְׁפַּחְתּ֔וֹ כִּ֛י אֵ֥ין ל֖וֹ בֵּ֑ן תְּנָה־לָּ֣נוּ אֲחֻזָּ֔ה בְּת֖וֹךְ אֲחֵ֥י אָבִֽינוּ׃“
(במדבר כ"ז ד')
„Warum soll der Name unseres Vaters ausgehen aus seiner Familie, weil er keinen Sohn hat? Gib uns Besitz unter den Brüdern unseres Vaters.“
(BaMidbar, Numeri, Buch Moses 27: 4)
Ob das der erste Akt des Feminismus ist, der jemals erwähnt wurde, darüber lässt sich streiten. Aber was klar ist, ist dass die Töchter Zelafchads hier klar und in eindeutigen Worten die existierende soziale Ordnung in Frage stellen, und ihr Recht einfordern - und das vor Moscheh Rabbenu, der diese Forderung gleich an HaSchem weiterreicht.
Der Talmud (Massekhet Baba Batra 119b) sieht sie als sehr weise und gerecht an, der Begriff Zaddiq wäre hier wohl bestimmt angebracht. Man (oder Frau) kann hier auch hinzufügen, dass sie mit talmudischer Rechtslogik argumentieren
Recht hat sie (und ihre Schwestern)!
”וַיֹּ֥אמֶר יְהֹוָ֖ה אֶל־מֹשֶׁ֥ה לֵּאמֹֽר׃ כֵּ֗ן בְּנ֣וֹת צְלׇפְחָד֮ דֹּבְרֹת֒ נָתֹ֨ן תִּתֵּ֤ן לָהֶם֙ אֲחֻזַּ֣ת נַחֲלָ֔ה בְּת֖וֹךְ אֲחֵ֣י אֲבִיהֶ֑ם וְהַֽעֲבַרְתָּ֛ אֶת־נַחֲלַ֥ת אֲבִיהֶ֖ן לָהֶֽן׃ וְאֶל־בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל תְּדַבֵּ֣ר לֵאמֹ֑ר אִ֣ישׁ כִּֽי־יָמ֗וּת וּבֵן֙ אֵ֣ין ל֔וֹ וְהַֽעֲבַרְתֶּ֥ם אֶת־נַחֲלָת֖וֹ לְבִתּֽוֹ׃“
(במדבר כ"ז ו'-ח')
„Und HaSchem sprach zu Moscheh also: Recht haben die Töchter Zelafchad gesprochen! Wohl sollst du ihnen Besitz an Erbtum geben unter den Brüdern ihres Vaters und sollst übergehen lassen das Erbe ihres Vaters an sie. Und zu den Kindern Jisrael rede also: So jemand stirbt und kein Sohn von ihm da ist, so sollt ihr übergehen lassen sein Erbe an seine Tochter.“
(BaMidbar, Numeri, Buch Moses 27:6-8)
Oft wird argumentiert, dass die Menschen zu biblischen Zeiten nicht gegen die gesellschaftliche Ordnung protestierten.
Die Geschichte der Töchter Zelafchads beweist das Gegenteil: Schon in biblischen Zeiten gab es sozialen Wandel: Frauen und Männer akzeptierten das Gesetz nicht immer so, wie sie es erhielten. Ad‘rabbaⓘ אַדְרַבֲָא
ganz im Gegenteil,
gerade umgekehrt: Wer den Mut und die Klugheit hatte, gegen ungerechte Gesetze zu argumentieren, dessen Argumente wurden sogar von der „höchsten Instanz“ erhöht…
”הִגִּ֥יד לְךָ֛ אָדָ֖ם מַה־טּ֑וֹב וּמָֽה־יְהֹוָ֞ה דּוֹרֵ֣שׁ מִמְּךָ֗ כִּ֣י אִם־עֲשׂ֤וֹת מִשְׁפָּט֙ וְאַ֣הֲבַת חֶ֔סֶד וְהַצְנֵ֥עַ לֶ֖כֶת עִם־אֱלֹהֶֽיךָ׃“
(מיכה ו' ח')
„Er hat dir, o Mensch, gezeigt, was gut ist und was der Herr von dir verlangt: gerecht zu handeln, Barmherzigkeit zu