Schmini - Aharons Schweigen
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt Schmini [שְּׁמִינִי], also die Achte. Es geht aber auch um Aharons [אַהֳרֹן - Ahron] Söhne Nadab [נָדָב - Nadaw] und Abihu [אֲבִיהוּא - Awihu], die einen mysteriösen Tod sterben.
- Was hat es mit der Reaktion Aharons darauf auf sich („er schwieg“)?
Und er schwieg
”וַיִּקְח֣וּ בְנֵֽי־אַ֠הֲרֹ֠ן נָדָ֨ב וַאֲבִיה֜וּא אִ֣ישׁ מַחְתָּת֗וֹ וַיִּתְּנ֤וּ בָהֵן֙ אֵ֔שׁ וַיָּשִׂ֥ימוּ עָלֶ֖יהָ קְטֹ֑רֶת וַיַּקְרִ֜יבוּ לִפְנֵ֤י יְהֹוָה֙ אֵ֣שׁ זָרָ֔ה אֲשֶׁ֧ר לֹ֦א צִוָּ֖ה אֹתָֽם׃ וַתֵּ֥צֵא אֵ֛שׁ מִלִּפְנֵ֥י יְהֹוָ֖ה וַתֹּ֣אכַל אוֹתָ֑ם וַיָּמֻ֖תוּ לִפְנֵ֥י יְהֹוָֽה׃ וַיֹּ֨אמֶר מֹשֶׁ֜ה אֶֽל־אַהֲרֹ֗ן הוּא֩ אֲשֶׁר־דִּבֶּ֨ר יְהֹוָ֤ה ׀ לֵאמֹר֙ בִּקְרֹבַ֣י אֶקָּדֵ֔שׁ וְעַל־פְּנֵ֥י כׇל־הָעָ֖ם אֶכָּבֵ֑ד וַיִּדֹּ֖ם אַהֲרֹֽן׃“
(ויקרא י' א'-ג')
„Und die Söhne Aharons, Nadab und Abihu, nahmen ein jeder seine Rauchpfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf, und brachten vor HaSchem unheiliges Feuer, das er ihnen nicht geboten.
Da fuhr eine Feuerflamme von HaSchem aus und verzehrte sie und sie starben für HaSchem.
Und Moscheh sprach zu Aharon: Das ist, was HaSchem geredet und gesprochen: An den mir Nahen will ich geheiligt werden und vor dem ganzen Volk will ich verherrlicht werden. Und Aharon schwieg. “(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses, 10 : 1-3)
Aharon hat gerade seine zwei Söhne auf unerklärliche Weise verloren, verzehrt vom Feuer G-ttes. Ein Midraschⓘמִדְרָשׁ
Schriftauslegung (Sifra, Mekhilta d’Milu’im 23) sagt zu den tröstenden Worten Moscheh Rabbenus: „Es gibt nichts (d. h. keine Gabe an einen Menschen), womit nicht ein Gebot für den Herrn erfüllt wäre“. Nadaw und Awihu sind folglich das reine Opfer, das die Einweihung des Heiligtums vollendet.
Aharons Reaktion: Er schweigt. Aber warum?
Dazu gibt es zwei Erklärungen:
Die Mehrheitsmeinung von Chasalⓘ חז״ל
Unsere Weisen z”l
(Die Weisen der Mischnah- und Talmud-Ära) ist, dass Aharons Schweigen eine Zustimmung zum g-ttlichen Beschluss ist. Er akzeptiert also, ohne zu fragen, was HaSchem von ihm verlangt. Und einen Grund braucht es auch nicht, oder in den Worten des Propheten Jesaja [יְשַׁעְיָהוּ – J‘schajhu]:
”לָ֤מָּה תֹאמַר֙ יַעֲקֹ֔ב וּתְדַבֵּ֖ר יִשְׂרָאֵ֑ל נִסְתְּרָ֤ה דַרְכִּי֙ מֵיְהֹוָ֔ה וּמֵאֱלֹהַ֖י מִשְׁפָּטִ֥י יַעֲבֽוֹר׃“
(ישעיהו מ' כ"ז)
„Und Warum sprichst du denn, Jakob, und sagst, du Israel: Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem G-tt vorüber?.“
(Jesaja, 40:27)
Modern wird das übersetzt als „die Wege des Herrn sind unergründlich“.
Es gibt aber noch eine andere Erklärung: Was sollte Aharon denn sagen? Es gab keine Worte. Wie sollten Aharon und seine übrigen Söhne ihre priesterlichen Pflichten erfüllen, nachdem zwei ihrer Familienmitglieder durch G-ttes Hand gestorben waren? Das Schweigen ist hier ein Ausdruck der Verzweiflung, der überwältigenden Trauer eines Vaters um seine Söhne, die viel zu jung und auf unerklärliche Weise gestorben sind.
So oder so verbindet diese Geschichte uns mit den Tieropfern, die auch in dieser Paraschah besprochen werden: Beides erinnert uns daran, dass wir uns der ständigen Vergänglichkeit des Lebens bewusst sind. Wir sind von Lebewesen umgeben, doch jedes einzelne von ihnen wird sterben. Der Tod kann plötzlich und unerklärlich eintreten. Da fehlen einem im wahrsten Sinne die Worte. Aharons Schweigen spricht eine tiefere Wahrheit als jeder Kommentar.