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Der Wochenabschnitt
נָשֹׂא
Nasso

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


Nasso -  Priestersegen mit Pause

Unsere Paraschah פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
heißt „Nasso“ [נָשֹׂא‎], also „nimm auf“ (“Nimm auf die Gesamtzahl der Söhne Gerschon…”). In diesem, den längsten Wochenabschnitt des Jahres, geht u.a. um den Nasir, [נָזִיר] den jüdischen Mönch.

Ein weiteres Thema ist der Priestersegen [Birkat HaKohanim - בִּרְכַּת הכֹּהֲנִים]. Dort gibt es etwas sehr interessantes, und oft übersehenes: Eine Pause, in der Mitte des Segens!

 
 

 

Die oft übersehene Pause

”יְבָרֶכְךָ֥ יְהֹוָ֖ה וְיִשְׁמְרֶֽךָ׃
יָאֵ֨ר יְהֹוָ֧ה  ׀  פָּנָ֛יו אֵלֶ֖יךָ וִֽיחֻנֶּֽךָּ׃
יִשָּׂ֨א יְהֹוָ֤ה  ׀  פָּנָיו֙ אֵלֶ֔יךָ וְיָשֵׂ֥ם לְךָ֖ שָׁלֽוֹם׃“

(במדבר ו' כ"ד – כ"ו)

„Es segne dich HaSchem und behüte dich;
HaSchem lasse dir leuchten ׀ sein Antlitz und sei dir gnädig;
HaSchem wende ׀ sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden!“

(BaMidbar, Numeri, 4. Buch Moses, 6:24-26)

Es geht um den Vertikalstrich „ ׀ “ im masoretischen Text, der eine Pause beim Leinen [קְרִיאַת הַתּוֹרָה - Qrijat HaTorah], also lautem Vorlesen der Torah, repräsentiert.

Was hat es damit auf sich, noch dazu in der Mitte der Brachahבְּרָכָה
Segensspruch, Segensformel, Benediktion
Plural: בְּרָכוֹת
Brachot
?

Der gerade, senkrechte „ ׀ “ wird „Passeq“ [פָּסֵק] oder „P'sik“ genannt, was „Trennzeichen“ bedeutet. Laut den ältesten bekannten Quellen kommt dieses Zeichen im ganzen Tanach [תַּנַ״ךְ - Hebräische Bibel] 587-mal vor*1*. Anders als Symbole für hebräische Kantillationen oder Vokale ist der Passeq stumm. Chasal חז״ל
Unsere Weisen z”l
(Die Weisen der Mischnah- und Talmud-Ära)
konnten seinen Ursprung und seine Bedeutung noch nicht abschließend klären, doch wenn jemand, der die Torah laut in der Synagoge vorliest, auf einen Passeq stößt, hält er üblicherweise inne, bevor er fortfährt.

*1* Von den 587 Paseq Zeichen dienen 78 explizit der Auslegung (z. B. zur Bedeutungsabgrenzung oder zur Vermeidung von Fehlinterpretationen).

Auf den ersten Blick scheinen hier die beiden Vorkommen der Passeqim dazu zu dienen, das Tetragrammaton (der aus vier Buchstaben bestehende und wegen seiner Heiligkeit nicht auszusprechende Name HaSchems) von dem Wort „Panav“ [פָּנָיו], also „SEIN Angesicht“, zu trennen. Dies widerspricht jedoch einem Prinzip des Or HaChajim, der sagt, es dürfe keinen Vorhang zwischen Israel und seinem himmlischen Vater geben.

Es muss also eine andere Erklärung geben.

Das folgende ist ein Peruschפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung
von einem Chasan [חַזָּן]:

Vielleicht liegt das Geheimnis darin, den Passeq nicht als Pause, sondern als Pulsschlag zu verstehen:

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

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05. Siwan 5786,   21. Mai 2026

 

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