WaJelech - - die letzte Mizwah
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt WaJelech [וַיֵּלֶךְ], also „(Moscheh Rabbenu) ging“ - aber er ging nicht nur, er ging, um vor dem Volk Israel noch einmal zu sprechen, und um die letzte der 613 Mizwotⓘמִצְוָוה
Gebot,
plural: מִצְווֹת
Mizwot zu verkünden.
- Was hat es mit dieser Mizwah auf sich? Wie wir letzte Woche gelernt haben, sind die Gebote „nicht im Himmel und nicht in Übersee, sondern sehr nahe sind„ - die letzte Mizwah fügt hinzu: sie sind auch nicht uralt und verstaubt, sondern gegenwärtig und aktuell.
- Aber warum wird die letzte Mizwah als Lied [שִׁירָה - Schirah] (manchmal auch als Poesie übersetzt, im Hebräischen schreibt sich das genauso) bezeichnet?
- Ist das der Gegensatz zur Prosa des Lebens?
Schreibe den Gesang auf!
”וְעַתָּ֗ה כִּתְב֤וּ לָכֶם֙ אֶת־הַשִּׁירָ֣ה הַזֹּ֔את וְלַמְּדָ֥הּ אֶת־בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל שִׂימָ֣הּ בְּפִיהֶ֑ם לְמַ֨עַן תִּֽהְיֶה־לִּ֜י הַשִּׁירָ֥ה הַזֹּ֛את לְעֵ֖ד בִּבְנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃“
(דברים ל"א י"ט)
„Und nun denn, schreibet euch diesen Gesang auf und lehre ihn die Kinder Jisrael, lege ihn ihnen in den Mund, auf dass mir dieser Gesang zum Zeugen sei gegen die Kinder Jisrael.“
(D’warim, Deuteronomy, 5. Buch Moses 31: 19)
Das ist die letzte der 613 Mizwot. Warum ist hier aber von שִׁירָה, ausgesprochen Schirah, die Rede, was sowohl Lied als auch Gedicht bedeuten kann?
Der Neziw interpretiert es so, dass die gesamte Torah als Poesie und nicht als Prosa gelesen werden sollte denn:
- Sie ist eher anspielend als explizit.
- Sie hat, wie die Poesie, eine tiefere Bedeutung, erreicht durch die Verwendung ungewöhnlicher Wörter oder Satzkonstruktionen.
Der Aruch HaSchulchan hat einen anderen Peruschⓘפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung: So gibt es in der rabbinischen Literatur viele Argumente, zu denen Chasalⓘ חז״ל
Unsere Weisen z”l
(Die Weisen der Mischnah- und Talmud-Ära) sagen:
”אֵלּוּ וָאֵלּוּ דִּבְרֵי אֱלֹהִים חַיִּים הֵן, “
(בבלי, עירובין י״ג ב')
„Dies und/sowie jenes sind die Worte des lebendigen G-ttes.“
(Babylonischer Talmud, Eruwin 13:2)
Dies, sagt Rabbi Epstein, ist einer der Gründe, warum die Torah „ein Lied“ genannt wird – weil ein Lied schöner wird, wenn es für viele Stimmen komponiert ist, die in komplexe Harmonien verwoben sind.
Lehre!
”ווְעַתָּ֗ה כִּתְב֤וּ לָכֶם֙ אֶת־הַשִּׁירָ֣ה הַזֹּ֔את וְלַמְּדָ֥הּ אֶת־בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל שִׂימָ֣הּ בְּפִיהֶ֑ם לְמַ֨עַן תִּֽהְיֶה־לִּ֜י הַשִּׁירָ֥ה הַזֹּ֛את לְעֵ֖ד בִּבְנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃“
(דברים ל"א י"ט)
„Und nun denn, schreibet euch diesen Gesang auf und lehre ihn die Kinder Jisrael, lege ihn ihnen in den Mund, auf dass mir dieser Gesang zum Zeugen sei gegen die Kinder Jisrael.“
(D’warim, Deuteronomy, 5. Buch Moses 31: 19)
Es ist, als würde G-tt den Israeliten sagen: „Es genügt nicht, dass ihr die Torah erhalten habt. Ihr müsst sie in jeder Generation neu machen.“ Der Bund muss regelmäßig erneuert werden
Im Grunde genommen ist das das positive Spiegelbild zur Erinnerung an dem, was Amalek uns getan hat, und zur Auslöschung (siehe dazu hier) - es muss in jeder Generation von neuem gelebt werden. Es gilt also das Prinzip חַיָּב אָדָם לִרְאוֹת אֶת עַצְמוֹ כְּאִילּוּ הוּא יָצָא מִמִּצְרָיִם (der Mensch soll ein Selbstverständnis haben, als ob er SELBST aus Ägypten ausgezogen ist), basierend auf Paraschat Beschallach .
Das 613. Gebot – die Torah in jeder Generation zu erneuern – symbolisiert die Tatsache, dass die Torah zwar nur einmal gegeben wurde, aber immer wieder neu empfangen werden muss. Und das verbindet dieses Prinzips (des Lehren und Lernens von Generation zu Generation) mit dem Prinzip oben (Poesie und Gesang): Die Torah ist eben nicht nur ein gelesenes Wort einer Geschichte der Vergangenheit (wie der Anfang von Märchen: „es war einmal vor langer, langer Zeit…“), sondern eine gesungene Melodie, die zeitlos ist.
Ich denke dabei auch an die israelische Hymne, die „HaTikwah“ [הַתִּקְוָה] heißt, also „Die Hoffnung“.
- Es ist nicht nur die Hoffnung vergangener Generationen,
- Es ist auch die Hoffnung von uns – heute und jetzt –
- Und die Hoffnung unserer Kinder und Kindeskinder.