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Der Wochenabschnitt
וַיַּקְהֵל - פְקוּדֵי
WaJaqhel-P´kudej

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


WaJaqhel-P´kudej -  zu viel des Guten?

Wir haben diese Woche eine Doppel-Paraschah פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
, nämlich WaJaqhel [וַיַּקְהֵל] („er versammelte“, also Moscheh Rabbenu versammelte das Volk Israel), gefolgt von der letzten Paraschah des 2. Buch Moses, nämlich P´kudej [פְקוּדֵי] („Berechnungen“, auch „Befehle“). Es sind große Themen in diesen zwei Wochenabschnitten, u.a. der Sinn des Lebens und die himmlische Buchhaltung.

 
 

 

Zu viel des Guten?

”וַיֹּאמְרוּ֙ אֶל־מֹשֶׁ֣ה לֵּאמֹ֔ר מַרְבִּ֥ים הָעָ֖ם לְהָבִ֑יא מִדֵּ֤י הָֽעֲבֹדָה֙ לַמְּלָאכָ֔ה אֲשֶׁר־צִוָּ֥ה יְהֹוָ֖ה לַעֲשֹׂ֥ת אֹתָֽהּ׃ וַיְצַ֣ו מֹשֶׁ֗ה וַיַּעֲבִ֨ירוּ ק֥וֹל בַּֽמַּחֲנֶה֮ לֵאמֹר֒ אִ֣ישׁ וְאִשָּׁ֗ה אַל־יַעֲשׂוּ־ע֛וֹד מְלָאכָ֖ה לִתְרוּמַ֣ת הַקֹּ֑דֶשׁ וַיִּכָּלֵ֥א הָעָ֖ם מֵהָבִֽיא׃“

(שמות ל"ו ה'-ו')

„Und sprachen zu Moscheh also: Das Volk bringt mehr als zur Genüge für den Dienst des Werkes, das HaSchem geboten hat zu machen. Da gebot Moscheh, und man ließ einen Ruf ergehen durch das Lager also: Weder Mann noch Frau soll ferner Arbeit anfertigen für die heilige Hebe! So wurde das Volk abgehalten vom Herbeibringen.“

(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 36: 5-6)
 

Warum hält Moscheh Rabbenu das Volk Israel vom Spenden ab?

Laut Rabbi Jochanan [יוחנן בר נפחא] ordnete Moscheh Rabbenu das Ende der Gaben an, weil der Schabbat nahte und er nicht wollte, dass das Volk den Schabbat durch seine Spenden entweihte (Babylonischer Talmud, Schabbat 96b). Rabbi Jochanan erklärt jedoch nicht, warum die Gaben nach Schabbat Ende nicht einfach wieder aufgenommen wurden.

Sforno [עובדיה ספורנו] bietet eine etwas plausiblere Erklärung: „G´tt wollte weder Zusätze noch Weglassungen.“ Es gibt also „zu viel des Guten“ (aber auch zu wenig des Guten). Wir können das mit einer schönen Mahlzeit vergleichen: In einem Gourmetrestaurant einen Teller mit zwei Erbsen und einer in einem komplizierten Prozess entstandenen Sauce aus sehr teuren Zutaten zu bekommen, ist vielleicht schmackhaft, aber satt macht sie nicht, und teuer ist sie auch. Andererseits überessen sich viele bei „All you can eat“ Buffets, wo es einen Einheitspreis für das Essen gibt, auch wenn man sich immer wieder eine Portion auf den Teller lädt. Zum Schluss ist man zwar mehr als satt, hat aber das Essen nicht genossen.

Und so ist es auch mit den Spenden für das Stiftzelt, den Mischkan.

 

 

Das Ganze ist mehr als seine Einzelteile

”וַיַּ֕עַשׂ חֲמִשִּׁ֖ים קַרְסֵ֣י זָהָ֑ב וַיְחַבֵּ֨ר אֶת־הַיְרִיעֹ֜ת אַחַ֤ת אֶל־אַחַת֙ בַּקְּרָסִ֔ים וַיְהִ֥י הַמִּשְׁכָּ֖ן אֶחָֽד׃“

(שמות ל"ו י"ג)

„Und er machte fünfzig Haken von Gold; und fügte die Teppiche aneinander durch die Haken, und so war das Stiftzelt ein Ganzes.“

(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 36: 13)
 

Warum ist der Mischkan erst ein ganzes, nachdem er (Moscheh Rabbenus Kunsthandwerker B‘zalel [בְּצַלְאֵל]) verschiedene Elemente zusammenfügt, und aus verschiedenen Teilen jeweils ein Objekt macht?

Der Grund ist folgender: Vor diesem Zeitpunkt bildeten weder die Stiftshütte noch ihr Zeltdach eine Einheit.

B‘zalel hatte eine Sammlung schöner, unterschiedlicher Einzelteile vor sich. Erst nachdem er diese Teile bewusst zusammengefügt hatte, entstanden Stiftshütte und Zelt als zusammenhängende Einheiten. Es handelt sich also um eine Geschichte darüber, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile.

Dazu eine kleine Geschichte: der jüdische Mathematiker Robert Jisrael Aumann verlangte, als 2005 bekannt wurde, dass er den Nobelpreis (für seinen Beitrag im Bereich der Spieltheorie) erhielt, dass der von der schwedischen Akademie geschickte Anzug auf Scha‘ttnes [שַׁעַטְנֵז] überprüft wird.

Als man ihn fragte, wie jemand, dessen Forschungsbereich rationales Handeln ist, auf ein so irrationales Gebot besteht, antwortete er:

„Ich sehe die jüdische Religion als ein Ganzes, nicht als eine Reihe von Einzelteilen. Und so wie ein kleiner Abschnitt einer Oper oder Symphonie wenig Sinn macht, wenn sie nicht im Zusammenhang mit dem ganzen Stück gehört wird, so macht diese eine Mizwah auch keinen Sinn für sich, aber sie muss als Teil eines Ganzen gesehen werden.“

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

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24. Adar 5786,   13. März 2026

 

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