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Der Wochenabschnitt
וַיִּגַּשׁ
WaJigasch

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


WaJigasch -  Prophet der Vergangenheit

Unsere Paraschah פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
heißt WaJigasch“ [וַיִּגַּשׁ], also „er trat an ihn heran“ (Jehudah trat an seinen Bruder Josef heran). Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben, führt das zum Wiedersehen von Josef und seinem Vater Jakow, nach 22 Jahren.

 
 

 

Der Prophet der Vergangenheit

”וַיֹּ֨אמֶר יוֹסֵ֧ף אֶל־אֶחָ֛יו גְּשׁוּ־נָ֥א אֵלַ֖י וַיִּגָּ֑שׁוּ וַיֹּ֗אמֶר אֲנִי֙ יוֹסֵ֣ף אֲחִיכֶ֔ם אֲשֶׁר־מְכַרְתֶּ֥ם אֹתִ֖י מִצְרָֽיְמָה׃ וְעַתָּ֣ה אַל־תֵּעָ֣צְב֗וּ וְאַל־יִ֙חַר֙ בְּעֵ֣ינֵיכֶ֔ם כִּֽי־מְכַרְתֶּ֥ם אֹתִ֖י הֵ֑נָּה כִּ֣י לְמִֽחְיָ֔ה שְׁלָחַ֥נִי אֱלֹהִ֖ים לִפְנֵיכֶֽם׃ כִּי־זֶ֛ה שְׁנָתַ֥יִם הָרָעָ֖ב בְּקֶ֣רֶב הָאָ֑רֶץ וְעוֹד֙ חָמֵ֣שׁ שָׁנִ֔ים אֲשֶׁ֥ר אֵין־חָרִ֖ישׁ וְקָצִֽיר׃ וַיִּשְׁלָחֵ֤נִי אֱלֹהִים֙ לִפְנֵיכֶ֔ם לָשׂ֥וּם לָכֶ֛ם שְׁאֵרִ֖ית בָּאָ֑רֶץ וּלְהַחֲי֣וֹת לָכֶ֔ם לִפְלֵיטָ֖ה גְּדֹלָֽה׃ וְעַתָּ֗ה לֹֽא־אַתֶּ֞ם שְׁלַחְתֶּ֤ם אֹתִי֙ הֵ֔נָּה כִּ֖י הָאֱלֹהִ֑ים וַיְשִׂימֵ֨נִֽי לְאָ֜ב לְפַרְעֹ֗ה וּלְאָדוֹן֙ לְכׇל־בֵּית֔וֹ וּמֹשֵׁ֖ל בְּכׇל־אֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃“

(בראשית מ"ה ג'-ח')

„Da sprach Josef zu seinen Brüdern: Tretet näher zu mir! Und sie näherten sich; und er sprach: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr verkauft habt nach Mizrajim. Und nun grämt euch nicht, und es entbrenne nicht in euren Augen, dass ihr mich verkauft hierher; denn לzur Lebenserhaltung hat G-tt mich gesandt vor euch her. Denn nun zwei Jahre ist der Hunger im Land, und noch sind fünf Jahre, worin weder Pflügen noch Ernten sein wird. So hat mich G-tt gesandt vor euch her, euch ein Bleiben im Land zu bereiten, und euch am Leben zu erhalten durch große Rettung. לNun denn, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern G-tt; der hat mich gemacht zum Vater Pharaos und zum Herrn über sein ganzes Haus, und zum Herrscher über das ganze Land Mizrajim..“

(B’reschit, Genesis, 1. Buch Moses , 45: 4-8)
 

Was für ein Unterschied zu der Beschreibung der Situation in WaJeschew, wo es heißt:

 

”כִּֽי־גֻנֹּ֣ב גֻּנַּ֔בְתִּי מֵאֶ֖רֶץ הָעִבְרִ֑ים וְגַם־פֹּה֙ לֹא־עָשִׂ֣יתִֽי מְא֔וּמָה כִּֽי־שָׂמ֥וּ אֹתִ֖י בַּבּֽוֹר׃“

(בראשית מ' ט"ו)

„Denn gestohlen bin ich worden aus dem Land der Ibrim; und auch hier habe ich nichts getan, dass sie mich in diese Grube gesetzt.“

(B’reschit, Genesis, 1. Buch Moses , 40: 15)
 

Natürlich spielt hier, wie bei jeder Präsentation, das Zielpublikum eine Rolle: Das chronologisch erste Mal spricht Josef mit dem Oberbäcker im Gefängnis, jetzt aber zu seinen Brüdern.

Es steckt aber etwas mehr dahinter, nämlich das, was wir „Perspektive“ nennen: Im Nachhinein wird uns die Vergangenheit viel klarer, und wir verstehen, wie wir zu dem geworden sind, dass wir heute sind - und was uns früher sinnlos vorkam, hat jetzt eine Bedeutung.

Rabbi Jonathan Sacks sz”l sieht in der Interpretierung der Vergangenheit die Geschichte des Judentums widergespiegelt:

„Die Propheten interpretierten biblische Erzählungen für ihre Zeit neu. Dann kam der Midrasch, der sie radikaler neu interpretierte, weil sich die Situation der Juden grundlegend verändert hatte. Darauf folgten die großen Bibelkommentatoren, Mystiker und Philosophen. Es gab kaum eine Generation in der gesamten jüdischen Geschichte, in der Juden ihre Texte nicht im Lichte ihrer gegenwärtigen Erfahrungen neu interpretierten. Wir sind das Volk, das Geschichten erzählt und sie immer wieder neu erzählt, jedes Mal mit einer etwas anderen Betonung, um eine Verbindung zwischen damals und heute herzustellen und die Vergangenheit so gut wie möglich im Lichte der Gegenwart neu zu lesen.“
(Quelle: https://rabbisacks.org/covenant-conversation/vayigash/reframing/, eigene Übersetzung)    

Und so hat auch Josef eine neue Bedeutung in seiner Lebens- und Leidensgeschichte gesehen, und im Nachhinein verstanden, dass selbst so etwas Schreckliches, wie von seinen eigenen Brüdern in die Sklaverei verkauft zu werden - Teil eines g-ttlichen Planes war.

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

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06. Tewet 5786,   26. Dezember 2025

 

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