WaEtchanan und Tu b’Aw - vier Hochzeiten und ein Todesfall
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heisst WaEtchanan (וָאֶתְחַנַּן „und ich flehte“), was im Hebräischen nur einen Buchstaben von WaEtchaten (וָאֶתְחַתֵּן „und ich werde heiraten“) entfernt ist. Und ähnlich wie letzte Woche der Schabbat direkt mit Tischah b’Aw [ט' בְּאָב] verbunden war, ist er es diese Woche mit Tu b’Aw [ט"ו בְּאָב].
- Was ist die Verbindung von diesem Schabbat (auch Schabbat Nachamu, [שַׁבָּת נִחְמוּ] also “Tröst-Schabbat” genannt) zum “jüdischen Fest der Liebe”? Oder zum Flehen Moscheh Rabbenus (das Heilige Land betreten zu dürfen, siehe dazu hier) und zum Heiraten bzw. Schidduch [שִׁדּוּךְ - religiöses “Verkuppeln”], also - siehe oben WaEtchanan und WaEtchaten?
Hochzeit und Todesfall
”וָאֶתְחַנַּ֖ן אֶל־יְהֹוָ֑ה בָּעֵ֥ת הַהִ֖וא לֵאמֹֽר׃ אֲדֹנָ֣י יֱהֹוִ֗ה אַתָּ֤ה הַֽחִלּ֙וֹתָ֙ לְהַרְא֣וֹת אֶֽת־עַבְדְּךָ֔ אֶ֨ת־גׇּדְלְךָ֔ וְאֶת־יָדְךָ֖ הַחֲזָקָ֑ה אֲשֶׁ֤ר מִי־אֵל֙ בַּשָּׁמַ֣יִם וּבָאָ֔רֶץ אֲשֶׁר־יַעֲשֶׂ֥ה כְמַעֲשֶׂ֖יךָ וְכִגְבוּרֹתֶֽךָ׃ אֶעְבְּרָה־נָּ֗א וְאֶרְאֶה֙ אֶת־הָאָ֣רֶץ הַטּוֹבָ֔ה אֲשֶׁ֖ר בְּעֵ֣בֶר הַיַּרְדֵּ֑ן הָהָ֥ר הַטּ֛וֹב הַזֶּ֖ה וְהַלְּבָנֹֽן׃“
(דברים ג' כ"ג – כ"ה)
„Und ich flehte zu HaSchem in dieser Zeit: Herr, Gott, du hast begonnen, deinem Knecht zu zeigen deine Größe und deine starke Hand, denn wo ist ein Gott im Himmel und auf Erden, der tun könnte wie deine Taten und wie deine Wunder? Lass mich doch hinübergehen, dass ich sehe das schöne Land, das jenseits des Jarden, dieses schöne Gebirge und den Lebanon.“
(D’warim, Deuteronomy, 5. Buch Moses 3: 23 - 25)
Im Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ (1994) stirbt bei einer der Hochzeiten des Titels ein Gast (während einer der Reden). Auch in unserer Paraschah ist Teil einer Trauerrede ist (vom Toten selbst noch zu Lebzeiten gesagt. An Tu b´Aw, der - wie gesagt - auf diesen Schabbat fällt, das Pendant zu den „Vier Hochzeiten“ - oder in den Worten von Rabban Gamliel :
Es gab keine so freudigen Tage für das jüdische Volk wie Tu B’Aw und Jom Kippur, denn an diesen Tagen gingen die Töchter Jerusalems in geliehenen weißen Kleidern aus, um niemanden in Verlegenheit zu bringen, der nichts besaß. …
Die Töchter Jerusalems tanzten in den Weinbergen. Was sagten sie? „Junger Mann, hebe doch deine Augen auf und sieh, was du dir aussuchst. Richte deine Augen nicht auf Schönheit, sondern auf eine [gute] Familie…”
(Mischna Ta´anit 4:8)
Liebe
”שְׁמַ֖ע יִשְׂרָאֵ֑ל יְהֹוָ֥ה אֱלֹהֵ֖ינוּ יְהֹוָ֥ה ׀ אֶחָֽד׃ וְאָ֣הַבְתָּ֔ אֵ֖ת יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֶ֑יךָ בְּכׇל־לְבָבְךָ֥ וּבְכׇל־נַפְשְׁךָ֖ וּבְכׇל־מְאֹדֶֽךָ׃“
(דברים ו' ד' - ה')
„Höre Jisrael: HaSchem unser Gott ist HaSchem der einzig Eine. Und du sollst lieben HaSchem deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, und mit deiner ganzen Seele, und mit deinem ganzen Vermögen.“
(D’warim, Deuteronomy, 5. Buch Moses 6: 4 - 5)
Diese Worte, die das „Sch´ma Israel“ [שְׁמַע יִשְׂרָאֵל], das wohl wichtigste Gebet im Judentum anfangen - sprechen von einer tiefen Liebe zu HaSchem, die aber auch erwidert wird.
Kann es nach den Drei Trauerwochen (siehe dazu hier und hier) und nach Tischa b’Aw etwas Tröstenderes geben? Kein Wunder also, dass dieser Schabbat „Schabbat Nachamu“ genannt wird, also „Trost-Schabbat“.
Es gibt hier noch ein wichtiges Prinzip: Liebe ist nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch zwischen Mensch und HaSchem.
…und schreibe sie an deine Tore
”וּכְתַבְתָּ֛ם עַל־מְזֻז֥וֹת בֵּיתֶ֖ךָ וּבִשְׁעָרֶֽיךָ׃“
(דברים ו' ט')
„und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses, und an deine Tore.“
(D’warim, Deuteronomy, 5. Buch Moses 6: 9)
Dies ist auch Teil des Sch´ma Israel Gebets - hier geht es darum, diese Worte („sie“) an die Türpfosten zu befestigen, was die Basis der Mizwahⓘמִצְוָוה
Gebot von der Mesusahⓘמְזוּזָה ist.
Was hat das mit Tu b´Aw und dem Fest der Liebe zu tun? Viel mehr, als man auf dem ersten Blick sieht:
Zieht ein neu verheiratetes Paar in seine neue gemeinsame Wohnung, ist eines der ersten Akte das Anbringen der Mesusah, die Brachahⓘבְּרָכָה
Segen – bringen soll. Dabei muss das Paar folgendes beachten:
- Die Mesusah muss schräg am Türpfosten angebracht werden muss. Dazu sagt der Schulchan Aruchⓘשֻׁלְחָן עָרוּך (Jore De´ah 289:6), dass dies ein Kompromiss ist zwischen denen, die sie horizontal anbringen, und denen, die sie vertikal anbringen. Es ist vor allem dies - ein Kompromiss. Und so wie die Anbringung der Mesusah ein Kompromiss ist, so ist auch das Zusammenleben von zwei unterschiedlichen Menschen (auch wenn sie viel gemeinsam haben) ein Kompromiss - damit sie sagen, es ist unser Haus, und keiner von ihnen sagt, es ist nur mein Haus. Das führt zu Sch´lom Bayit [שְׁלוֹם בַּיִת wörtlich: Hausfrieden] – Harmonie und Frieden in der Ehe.
- Das „Schin“ [ש] auf der Außenseite jeder Mesusa steht für Haschems dreibuchstabigen Namen ש-ד-י (Schaddai). Dies ist einer seiner heiligen Namen. Dieser Name steht auf der Mesusah, weil er zugleich eine Abkürzung für „Schomer daltej Yisrael“ (שומר דלתי י שראל) ist – „der Beschützer der Häuser Yisraels“. Die Mesusah schützt das Haus und seine Bewohner nicht nur, wenn sie zu Hause sind, sondern auch, wenn sie nicht da sind.
(Jore De’ah 285:2)