B’schallach - das Gefäß
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt „B’schallach“ [בְּשַׁלַּח]. Es heißt so viel wie „er (Pharao) schickte (das Volk Israel)“. Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben, passiert sehr viel:
- Die Ägypter verfolgen das Volk Israel, für denen das das Schilfmeer geteilt wird (und danach wieder zusammenfließt, und die Ägypter ertrinken).
- Das Volk Israel antwortet darauf mit dem Schirat HaJam [שִירַת הַיָּם - Lied am Schilfmeer].
- Auch kommt das Manna [מָן - Man] vom Himmel herunter
- Der Kampf gegen ‘Amaleq [עֲמָלֵק] beginnt.
- Der Schabbat [שַׁבָּת], so wie Juden aus der ganzen Welt ihn begehen und feiern, wird zum ersten Mal in der Paraschah erwähnt.
Es kommt aber auch ein Wort vor, das nur ein einziges Mal im ganzen Tanach [תַּנַ״ךְ] vorkommt - nämlich das Wort צִנְצֶנֶת - Zinzenet (Krug oder Gefäß).
- Was hat es mit diesem Wort auf sich, und warum ist es so zentral – auch heute, in unserem Leben?
Der (diesmal nicht zerbrochene) Krug
”וַיֹּ֨אמֶר מֹשֶׁ֜ה אֶֽל־אַהֲרֹ֗ן קַ֚ח צִנְצֶ֣נֶת אַחַ֔ת וְתֶן־שָׁ֥מָּה מְלֹֽא־הָעֹ֖מֶר מָ֑ן וְהַנַּ֤ח אֹתוֹ֙ לִפְנֵ֣י יְהֹוָ֔ה לְמִשְׁמֶ֖רֶת לְדֹרֹתֵיכֶֽם׃“
(שמות ט"ז ל"ג)
„Nimm ein Gefäß und tue darein einen Omer voll Man, und lege es nieder vor HaSchem in Verwahrung für eure Familie.“
(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 16: 33)
Das Wort für Zinzenet (Krug oder Gefäß) kommt, wie gesagt, in der gesamten Bibel nur ein einziges Mal vor. (In der Sprachforschung nennt man so etwas ein Hapax legomenon).
Dieses rätselhafte Wort hat seit Chasal und bis heute die Rabbiner zum Nachdenken über seine Bedeutung gebracht.
Raschi beispielsweise vermutete, dass der Krug aus Ton gefertigt ist. Die Schiw´im [תַּרְגּוּם הַשִּׁבְעִים – griechisch: Ἡ Μετάφρασις τῶν Ἑβδομήκοντα – latein: Septuaginta] die älteste griechische Bibelübersetzung, besteht darauf, dass er aus Gold besteht. Der mittelalterliche Midrasch Mechilta deRabbi Jischmael räumt bescheiden ein: „Ich wüsste nicht, woraus er besteht – ob aus Silber, Eisen, Blei, Kupfer oder Zinn.“ Ibn Ezra schwankt zwischen Ton und Kupfer.
Was geschah mit diesem außergewöhnlichen Gefäß, das ein Omer [עֹמֶר - ein altes hebräisches Getreidemaß, das etwa 3,6 Litern entspricht] Manna enthielt? Der RambaM argumentiert, dass der Krug neben Aharons Stab vor der Bundeslade im Ersten Tempel aufgestellt wurde. König Schlomoh [שְׁלֹמֹה - Salomon] jedoch sah die Zerstörung seines Tempels voraus und schuf daher ein verborgenes unterirdisches Versteck für die Bundeslade und die dazugehörigen heiligen Gegenstände, darunter den Manna-Krug. Der Talmud lehrt, dass König Joshijahu [יֹאשִׁיָּהוּ - Josia] das Gefäß an diesem geheimen Ort beisetzte, damit sie nicht ins Exil geschickt würden (Joma 52b).
Über den Zweck des Gefäßes gibt es allerdings einen Konsensus:
Es soll im Laufe der Jahrhunderte bewahrt werden, damit zukünftige Generationen das Manna sehen sollen. Der Zweck dieses einzigartigen, erdigen, g´ttlich geschaffenen Gefäßes besteht darin, sowohl als Aufbewahrungsort für von HaSchem geschaffene Dinge zu dienen als auch als für alle Zeiten sichtbares (wenn auch manchmal verborgenes) Zeugnis von G-ttes unglaublicher Gastfreundschaft und Gegenwart bei der Befreiung eines versklavten Volkes zu sein.
In tiefgründiger Weise gleicht die Zinzenet unserem Leben.
Jedem von uns wurde ein einzigartiges Gefäß oder ein Körper gegeben, der zugleich fest und formbar, undurchsichtig und durchscheinend ist. Wir bezeugen G-ttes Wunder „durch die Generationen hindurch“. Unser Leben ist unsere Chance, Solidarität mit den Schwachen zu zeigen, so wie HaSchem es tat. Wir dürfen dieses lebenslange Bemühen vor G-tt bringen, zusammen mit der Bundeslade und ihren zerbrochenen Tafeln.
Jeder von uns ist eine Zinzenet für seine Generation.
Wenn Moscheh Rabbenu sagt: „Nimm ein Gefäß und tue darein einen Omer voll Man, und lege es nieder vor HaSchem in Verwahrung für eure Familie.“, dann spricht er nicht von einem verstaubten Gegenstand in einem Museum, den man vielleicht besucht.
NEIN!
Moscheh Rabbenu spricht von UNS.