Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו
WaJikra - opfere dich, und glaube!
Wie können wir heutzutage, wo es keinen Tempel gibt, Opfer erbringen?
Wieso ist ein Boss, der seine Arbeiter nicht genug bezahlt oder ungerechterweise Sozialrechte streicht, nicht nur unehrlich, sondern auch ein Götzendiener?
„Sprich zu den Kindern Jisrael und sprich zu ihnen: wenn jemand von euch für HaSchem ein Opfer darbringen will, bringt eure Opfer dar vom Vieh, vom Rindvieh wie vom Kleinvieh.“
(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses 1:2)
Für viele von uns ist die Vorstellung, Tiere auf einem Altar zu opfern, ein sehr fremdartiges und abstraktes Konzept. Zwar ersetzen die Gebete formell die Opfer, aber es ist dennoch schwer, die Erhebung einer Opfergabe im Tempel zu fühlen, wenn wir in einem kleinen Raum stehen und versuchen, im Tempo der Gebete mitzulesen, und nichts zu verpassen.
Wenn Menschen wahrhaft religiös werden und HaSchem dienen wollen, scheinen sie von Verwirrung und Frustration überwältigt zu sein. Sie stoßen auf große Hindernisse und können sich nicht entscheiden, was sie tun sollen. Je mehr sie es versuchen, desto größer werden ihre Schwierigkeiten.
Daher gilt: Die Begeisterung, die solche Menschen für das Gute empfinden, ist sehr wertvoll, auch wenn man sein Ziel nicht erreicht!
All ihre Bemühungen gelten als eine Opfergabe gezählt, im Sinne von:
„So jemand sündigt und Untreue begeht am Ewigen, dass er seinem Nächsten ableugnet ein anvertrautes Gut oder ein Darlehn oder etwas Geraubtes, oder er enthält seinem Nächsten (den Lohn) vor;“
(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses 5:21)
Dieser Passukⓘ פָּסוּק Vers wirft eine Frage auf: Wenn jemand gegen seinen Mitmenschen sündigt, insbesondere indem er ihn betrügt oder hintergeht, wie kann das dann ein Verrat an HaSchem sein?
Chasalⓘ חז״ל Unsere Weisen z”l (Die Weisen der Mischnah- und Talmud-Ära) antworten, dass der Sünder, da er vor dem rabbinischen Gericht einen Eid schwört, nichts Unrechtes getan zu haben, sowohl G-ttes Namen missbraucht als auch falsch schwört – beides abscheuliche Verfehlungen gegen G-tt. Was aber, wenn der Sünder das nicht macht? Wird dann sein Fehlverhalten immer noch als „Untreue am Ewigen“ betrachtet?
Geldanbetung ist Götzendienst, und durch sündhafte Mittel mehr Geld anzuhäufen - auch.
So ist demnach ein Boss, der seine Arbeiter betrügt, indem er ihnen nicht den vollen Verdienst zahlt, oder der sie um Soziale Rechte bringt, die ihnen zustehen - ein Götzendiener.
Hier ist die gute Nachricht im Umkehrschluß: Wenn Geldgier Götzendienst ist, dann ist Zufriedenheit mit dem eigenen Anteil am Leben eine wunderbare Manifestation von Glaube, Emmunah [אֱמוּנָה]. So wie es in Pirkej Awot (פִּרְקֵי אָבוֹת - Sprüche der Väter) steht:
”אֵיזֶהוּ עָשִׁיר – הַשָּׂמֵחַ בְּחֶלְקוֹ׃“
(אבות · פרק ד · משנה א)
„Wer ist reich? Derjenige, der mit seinem Los zufrieden ist.“
(Pirkej Awot, 4:1)
Wer mit seinem Schicksal zufrieden ist, kann sich freuen, denn er ist in der Lage, die höchsten spirituellen Ebenen zu erreichen.
שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom Um’worach
Einen Friedvollen und gesegneten Sabbat
Benjamin Rosendahl
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