T'rumah - ideeller Wert
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt „T'rumah“ [תְּרוּמָה – Spenden]. Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben, beginnt der Wochenabschnitt mit der Anweisung, G’tt ein Stiftszelt während des Aufenthaltes des Volkes Israel in der Wüste zu bauen.
- Warum ist dies eine Aufgabe, die wir zwar angefangen haben, aber nicht selbst beenden?
- Was hat das mit einem auf den ersten Blick wertlosen Gegenstand zu tun, der lediglich ideellen Wert hat?
Fange an!
”וְעָ֥שׂוּ לִ֖י מִקְדָּ֑שׁ וְשָׁכַנְתִּ֖י בְּתוֹכָֽם׃“
(שמות כ"ה ח')
„Und sie sollen mir machen ein Heiligtum, dass ich wohne in ihrer Mitte.“
(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 25: 8)
Chasalⓘ חז״ל
Unsere Weisen z”l
(Die Weisen der Mischnah- und Talmud-Ära) sagen, dass Moscheh Rabbenu große Zweifel hatte, wie Menschen aus Fleisch und Blut eine heilige Stätte wie den Mischkan [מִשְׁכָּן – Stiftszelt, wörtlich: Wohnsitz, Wohnstätte] mit materiellen Rohstoffen und Werkzeugen errichten könnten. Wie soll das möglich sein?
Der Midrasch [מִדְרָשׁ - Auslegung] gibt dazu das folgende Gleichnis:
Ein König befahl einem Künstler, ein Porträt von ihm zu malen. Der Künstler antwortete: „Wie kann ich die Pracht Eurer Majestät auf bloßer Leinwand reproduzieren?“ Der König erwiderte: „Du mit deiner Farbe und ich mit meiner Herrlichkeit“.
Und so gibt HaSchem (der in der jüdischen Tradition oft als מֶלֶךְ מַלְכֵי הַמְלָכִים [Melech Malchej haMlachim], also König aller Könige bezeichnet wird) Moscheh Rabbenu detaillierte Anweisungen des Materials, das seine Herrlichkeit repräsentieren soll. (Wie sich das mit dem Verbot, sich ein Bildnis zu machen, vereinbaren lässt, kann man hier nachlesen)
Hier gibt es noch ein weiteres Prinzip: Die Menschen fangen die Arbeit an - aber zu Ende geführt wird sie von HaSchem!
Der Tiferet Jisrael sagt in diesem Zusammenhang, dass etwas nicht aufgeben dürfen, nur weil wir das Gefühl haben, dass wir sie nicht beenden können. Denn sehr oft ist es gar nicht unsere Aufgabe, die Arbeit zu vollenden. NEIN! Unsere Aufgabe ist es, etwas in die Welt setzen, was andere später übernehmen und weiterführen können.
Genau das sagte der Ewige zu Mosche Rabbenu: Sie (Das Volk Israel) bauen Mein Heiligtum („Und sie sollen mir machen ein Heiligtum“), und ich werde dafür sorgen, dass Meine Herrlichkeit dort für immer verweilt („dass ich wohne in ihrer Mitte“).
Ideeller Wert
”וְעָ֥שׂוּ לִ֖י מִקְדָּ֑שׁ וְשָׁכַנְתִּ֖י בְּתוֹכָֽם׃“
(שמות כ"ה ח')
„Und sie sollen mir machen ein Heiligtum, dass ich wohne in ihrer Mitte.“
(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 25: 8)
Rabbi Avraham Radbil hat einen interessanten Peruschⓘפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung zu derselben Stelle:
Ein Tourist besucht die Freiheitsstatue in New York und kauft vor seiner Rückreise eine Miniaturversion davon in einem Souvenirladen. So kann er immer, wenn er sich die kleine Freiheitsstatue anschaut, das großartige Gefühl der Freude und Begeisterung vergegenwärtigen, dass er beim Anblick der echten Freiheitsstatue hatte.
Dies bringt uns zu dem, was wir als ideellen Wert betrachten, wo wir aufgrund einer emotionalen Bindung zu dem betreffenden Gegenstand ihn viel mehr schätzen als er nach materiellen Gesichtspunkten wert ist. Es gibt hierfür unzählige Beispiele, hier eines von einem Gastbeitrag bei uns: ein Chassid kauft einen Kidduschbecher für eine Unsumme, weil es einem früheren, verstorbenen Admors gehört hat.
Und so wie die Miniatur-Freiheitstatue nur wenige Dollar gekostet hat, ist ihr tatsächlicher Wert viel größer, denn sie verkörpert all die Gefühle, die der Mann damals in New York hatte, und stellt dadurch für ihn eine ewige Verbindung zu diesem Ort her. Ähnlich ist es mit dem Kidduschbecher: der Chassid fühlt beim Kiddusch [קִידּוּשׁ – Segensspruch über Wein am Schabbat, wörtlich „Heiligung“] mit dem Becher die spirituelle Präsenz des verstorbenen Admors.
Das bringt uns wieder zum Mischkan bzw. Stiftzelt: Der materielle Wert war sicherlich nicht sehr groß, aber der ideelle dafür sehr! Denn der Ewige wohnte in seiner Mitte!