Schmini - oder : das Paradies ist vegetarisch
Kurz nach der Beschreibung der Tieropfer erzählt unsere Paraschah vom Tode von Aharons Söhnen Nadaw [נָדָב] und Awihu [אֲבִיהוּא].
- Gibt es einen Zusammenhang?
- Was sagt der Talmud zu Tieropfer, was sagt Rav Kook?
- Wenn der Gan Eden [das Paradies] vegetarisch war, wird es die Welt im messianischen Zeitalter auch sein?
Am 8. Tag - Tieropfer
”צוַֽיְהִי֙ בַּיּ֣וֹם הַשְּׁמִינִ֔י קָרָ֣א מֹשֶׁ֔ה לְאַהֲרֹ֖ן וּלְבָנָ֑יו וּלְזִקְנֵ֖י יִשְׂרָאֵֽל׃ וַיֹּ֣אמֶר אֶֽל־אַהֲרֹ֗ן קַח־לְ֠ךָ֠ עֵ֣גֶל בֶּן־בָּקָ֧ר לְחַטָּ֛את וְאַ֥יִל לְעֹלָ֖ה תְּמִימִ֑ם וְהַקְרֵ֖ב לִפְנֵ֥י יְהֹוָֽה׃“
(ויקרא ט' א'-ב')
„Und es war am achten Tage, da rief Moscheh Aharon und seine Söhne und die Ältesten Jisraels, Und sprach zu Aharon: Nimm für dich ein junges Rind zum Sühnopfer und einen Widder zum Ganzopfer, ohne Fehl, und bringe sie dar für HaSchem.“
(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses 9:1-2)
Für viele von uns ist die Vorstellung, Tiere auf einem Altar zu opfern, ein sehr fremdartiges und abstraktes Konzept. Aber genau damit fängt unser Wochenabschnitt an.
Es ist auch sehr blutig:
”וַ֠יַּקְרִ֠בוּ בְּנֵ֨י אַהֲרֹ֣ן אֶת־הַדָּם֮ אֵלָיו֒ וַיִּטְבֹּ֤ל אֶצְבָּעוֹ֙ בַּדָּ֔ם וַיִּתֵּ֖ן עַל־קַרְנ֣וֹת הַמִּזְבֵּ֑חַ וְאֶת־הַדָּ֣ם יָצַ֔ק אֶל־יְס֖וֹד הַמִּזְבֵּֽחַ׃ וְאֶת־הַחֵ֨לֶב וְאֶת־הַכְּלָיֹ֜ת וְאֶת־הַיֹּתֶ֤רֶת מִן־הַכָּבֵד֙ מִן־הַ֣חַטָּ֔את הִקְטִ֖יר הַמִּזְבֵּ֑חָה כַּאֲשֶׁ֛ר צִוָּ֥ה יְהֹוָ֖ה אֶת־מֹשֶֽׁה׃ וְאֶת־הַבָּשָׂ֖ר וְאֶת־הָע֑וֹר שָׂרַ֣ף בָּאֵ֔שׁ מִח֖וּץ לַֽמַּחֲנֶֽה׃“
(ויקרא ט' ט'-י"א)
„Und die Söhne Aharons brachten ihm das Blut, und er tauchte seinen Finger in das Blut und tat an die Hörner des Altars, und das (übrige) Blut goss er an den Grund des Altars; Und das Talg und die Nieren und das Netz von der Leber von dem Sühnopfer ließ er in Dampf aufgehen auf dem Altar, so wie HaSchem dem Moscheh geboten. Und das Fleisch und die Haut verbrannte er im Feuer außer dem Lager.“
(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses 9:9-11)
Für die Söhne Aharons endet das sehr tragisch:
”וַתֵּ֥צֵא אֵ֛שׁ מִלִּפְנֵ֥י יְהֹוָ֖ה וַתֹּ֣אכַל אוֹתָ֑ם וַיָּמֻ֖תוּ לִפְנֵ֥י יְהֹוָֽה׃“
(ויקרא י' ב')
„Da fuhr eine Feuerflamme von HaSchem aus und verzehrte sie und sie starben für HaSchem.“
(WaJikra, Leviticus, 3. Buch Moses 10:2)
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Tieropfer und dem tragischen Tod der Söhne Aharons?
Nach der folgenden talmudischen Geschichte (Baba Metziah 85b) ist das gut möglich:
Dreizehn Jahre lang litt Rabbi Jehuda HaNasi, der berühmte Redakteur der Mischna, unter schrecklichen Schmerzen. Der Talmud führt sein Leiden auf folgenden Vorfall zurück: Ein Kalb wurde einst zur Schlachtbank geführt. Das Tier ahnte, was geschehen würde, und floh zu Rabbi Jehuda. Es ließ den Kopf an seinem Gewand hängen und weinte. Der Rabbi sagte zu dem Kalb: „Geh! Du wurdest zu diesem Zweck erschaffen.“
Es war im Himmel beschlossen: Da Rabbi Jehuda dem Kalb kein Mitleid entgegengebracht hatte, sollte er leiden. Rabbi Jehuda wurde erst viele Jahre später geheilt, als er seine Magd davon überzeugte, kleinen Nagetieren, die sie im Haus entdeckte, kein Leid zuzufügen.
Was lernen wir daraus?
KEIN Lebewesen wurde ausschließlich dazu geschaffen, um geschlachtet zu werden!
Die Vertreibung aus dem (vegetarischen) Paradies
Adam [אָדָם] und Eva [חַוָּה - Chavah] waren bekanntlich im Garten Eden [גַּן עֵדֶן – Gan Eden] (Paradies), und hätten dort - wenn sie nicht von der Pri 'Ez HaDa’at [פְּרִי עֵץ הַדַּעַת] gekostet hätten - unendlich lange gelebt. Sie ernährten sich ausschließlich vegetarisch, was - nach Ansicht u.a. von Rav Kook - der natürliche Zustand der Welt ist.
Nach einem Midrasch war die Vertreibung aus dem Paradies der Auslöser des „unnatürlichen“ Zustands der Welt: Auf einmal kam der Tod in die Welt (für Adam und Eva, und für Menschen im Allgemeinen). Und als „Gleichstellungsmaßnahme“ verkürzte der Mensch auch das Leben der Tiere.
Der Talmud (Sanhedrin 59b) erklärt, dass nach der Sintflut, zur Zeit Noahs der Verzehr von Fleisch wieder erlaubt. Diese Änderung diente der körperlichen und moralischen Verbesserung der Menschheit.
Warum überhaupt Fleisch?
Nach all dem gesagten stellt sich die Frage - warum sollen Menschen überhaupt Fleisch essen? Sind wir nach vielen Generationen nach der Sintflut nicht in der Lage, ohne Fleisch uns moralisch zu verhalten?
Rabbi Josef Albo schreibt (Sefer Ha-Ikarim 3:16), dass das ursprüngliche Verbot des Fleischessens indirekt zur Ermordung von Menschen führte. Man schlussfolgerte: Den Menschen geht es wie den Tieren. Alle haben denselben Geist; der Mensch hat keinen Vorrang vor dem Tier.
HaSchem erlaubte den Fleischkonsum, um den Unterschied zwischen dem Töten eines Menschen und dem Töten eines Tieres hervorzuheben.
Und heute?
Die Frage um den Fleischkonsum beschäftigt das Judentum sehr lange.
Es gibt das Prinzip אַיִן שִׂמְחָה אֶלָּא בְּבָּשָׂר וּבְּיַיִן [Ejn Simchah ella b’Bassar u’b‘Jajjn] (es gibt keine Freude - gemeint ist die Freude von jüdischen Feiertagen - ohne Fleish und Wein), jedoch ist das ein Minhagⓘמִנְהָג
Brauch, keine Mizwahⓘמִצְוָוה
Gebot.
Rabbiner Abraham Stav sagt dazu folgendes: Ein Vegetarier hat KEINE Freude an Fleisch, und ist daher an diesen Brauch nicht gebunden. Zusätzlich gibt es eine jüdische Version des „Flexitariers“, den Stav צִמְחוֹלִי („Zimcho-l-i“, ein Wortspiel von צִמְחוֹנִי - „Zimchoni“, Vegetarier und חוֹלִ - „Chol“, also Werktag) nennt - während der Woche ernährt er sich asketisch, ohne Fleisch, und auch ohne Alkohol und mit wenigen warmen Speisen. Am Schabbat aber, und לִכְבּוֹד שַׁבָּת [Lichwod Schabbat] - zu Ehren des Schabbats - gibt es Fleisch und Wein
Und morgen?
Es wird eine zukünftige Ära geben, schreibt Rav Kook, in der die Menschheit in den erhabenen Zustand des Garten Eden zurückkehren wird. Fleischessen wird wieder verboten sein. Dies ist die wunderbare Vision, die die Propheten beschrieben:
”וְגָ֤ר זְאֵב֙ עִם־כֶּ֔בֶשׂ וְנָמֵ֖ר עִם־גְּדִ֣י יִרְבָּ֑ץ וְעֵ֨גֶל וּכְפִ֤יר וּמְרִיא֙ יַחְדָּ֔ו וְנַ֥עַר קָטֹ֖ן נֹהֵ֥ג בָּֽם׃ וּפָרָ֤ה וָדֹב֙ תִּרְעֶ֔ינָה יַחְדָּ֖ו יִרְבְּצ֣וּ יַלְדֵיהֶ֑ן וְאַרְיֵ֖ה כַּבָּקָ֥ר יֹאכַל־תֶּֽבֶן׃ וְשִֽׁעֲשַׁ֥ע יוֹנֵ֖ק עַל־חֻ֣ר פָּ֑תֶן וְעַל֙ מְאוּרַ֣ת צִפְעוֹנִ֔י גָּמ֖וּל יָד֥וֹ הָדָֽה׃ לֹא־יָרֵ֥עוּ וְלֹֽא־יַשְׁחִ֖יתוּ בְּכׇל־הַ֣ר קׇדְשִׁ֑י כִּֽי־מָלְאָ֣ה הָאָ֗רֶץ דֵּעָה֙ אֶת־יְהֹוָ֔ה כַּמַּ֖יִם לַיָּ֥ם מְכַסִּֽים׃“
(ישעיהו י"א ו'-ט')
„Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten. Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein kleines Kind wird seine Hand ausstrecken zur Höhle der Natter. Man wird weder Bosheit noch Schaden (im Hebräischen ist das vom selben Wortstamm wie Schlachten) tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis von Gott, wie Wasser das Meer bedeckt.“
(Jessaja 11: 6-9)
Das Speisopfer repräsentiert Dankbarkeit für Gottes Versorgung, aufgeteilt zwischen dem Altar und den Priestern. Es erinnert praktisch daran, Segnungen mit denen zu teilen, die ihr Leben dem Dienst der Gemeinschaft widmen.
Dies gewährleistet, dass die Priester—jene, die hinter den Kulissen die Heiligkeit bewahren—angemessen versorgt werden. Heute könnte dies dem Dank an jene entsprechen, die uns dienen, oder dem Teilen von Ressourcen als Geste der Wertschätzung.