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Der Wochenabschnitt
תְּצַוֶּה
T'zaweh

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


T'zaweh -  des Kaisers neue Kleider?

Unsere Paraschah פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
heißt „T’zaweh“ [תְּצַוֶּה], also (HaSchem) befehlt. Die erste Hälfte der Paraschah handelt von den Kleidern der Kohanim [כֹּהֵן – Kohen – Priester; Plural: כֹּהֲנִים – Kohanim].

 
 

 

Leute machen Kleider, Kleider machen Leute

”וְאַתָּ֗ה תְּדַבֵּר֙ אֶל־כׇּל־חַכְמֵי־לֵ֔ב אֲשֶׁ֥ר מִלֵּאתִ֖יו ר֣וּחַ חׇכְמָ֑ה וְעָשׂ֞וּ אֶת־בִּגְדֵ֧י אַהֲרֹ֛ן לְקַדְּשׁ֖וֹ לְכַהֲנוֹ־לִֽי“

(שמות כ"ח ג')

„Und du rede mit allen Kunstverständigen, (jedem) den ich erfüllt mit dem Geiste der Kunst, dass sie machen die Kleider Aharons, ihn zu heiligen, mir ihn zum Priester zu weihen.“

(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 28: 3)
 

Die hier erwähnten Kunstverständigen sind dieselben Handwerker, die den Mischkan [מִשְׁכָּן – Stiftszelt, wörtlich: Wohnsitz, Wohnstätte] und die Menorah [מְנוֹרָה - Leuchter, Lampe] herstellen. Sie erhalten hier Anweisungen zur Anfertigung der Kleidung für die Priester.

Dazu gibt Sforno den folgenden Peruschפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung
:

„Sie sollten nicht nur die Stiftshütte bauen und Öl für die Menorah bereitstellen, sondern auch die Kleider anfertigen, die Aharon [אַהֲרֹן] tragen soll“
(Sforno zu 2. Buch Moses, 28:3).        

In anderen Worten ist es von Bedeutung, dass die Architekten eines heiligen Raumes auch sakrale Kleidung entwerfen. Indem die Kunsthandwerker die Priesterkleidung gestalten, entfernen sie die Trennung zwischen dem Priester und der Institution, der er dient.

Tatsächlich ist es so - dazu gibt es auch wissenschaftliche Forschungen - dass angemessene und erhobene Kleidung oft angemessene Manieren und ein erhobenes, respektvolles Verhalten mit sich bringt. Ist das nicht der Fall, gibt es also eine Dissonanz zwischen Gewand und Träger, dann verliert der ganze Schmuck an Bedeutung.

Es gibt hier noch ein weiteres Element: Ähnlich dem Bau des Mischkan hat das Volk das Rohmaterial für die Priestergewände gespendet. In anderen Worten gibt es einen ungeschriebenen Vertrag zwischen dem Volk Israel und den Kohanim: Wir, das Volk, haben unsere Zeit, unser Geld und unsere Hoffnung in die Kohanim investiert. Bitte enttäuscht uns nicht.

 

 

Des Kaisers neue Kleider

Ob Hans Christian Andersen unsere Paraschah kannte, ist nicht überliefert. Jedoch behandelt sein Märchen Des Kaisers neue Kleider viele Themen davon, vor allem die Frage, ob Leute Kleider und Kleider Leute machen, und auch um Leichtgläubigkeit und die unkritische Akzeptanz von Autoritätsfiguren.

Der Unterschied zu der Paraschah ist, dass dem Kaiser Kleider versprochen werden, die er nie erhält, aber die Weber behaupten, dass sie niemand sehen könne, der dumm sei oder für sein Amt nicht tauge.

Es ist gewissermaßen die Umkehrung der Kleider der Kohanim - soll bei den Kohanim wirkliche Kleidung sich auf die Träger auswirken, so soll beim Kaiser seine Autorität so groß sein, dass er selbst ohne Kleider so scheint, als ob er die edelsten Kleider trägt.

Und hier ist der zweite Unterschied: die Kleider der Kohanim müssen nicht nur schön sein und sitzen, sondern auch den Träger zu moralischen Taten bringen, und ihm trotz aller Glanz zu Bescheidenheit bringen, denn es dient einen höheren Zweck, der Heiligkeit G-ttes. Ist dies nicht der Fall, verdient weder der Kohen noch seine Kleider Respekt. Beim Kaiser des Märchens hingegen darf die Autorität nicht hinterfragt werden.

Kurzum: Leute machen Kleider, Kleider machen Leute - aber Sinn macht das alles nur, wenn es einem höheren Zweck dient. Und dies darf - muss sogar! - hinterfragt werden.

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

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10. Adar 5786,   27. Februar 2026

 

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