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Der Wochenabschnitt
מִּשְׁפָּטִים
Mischpatim

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


Mischpatim - Eile!

Unsere Paraschah פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
heißt „Mischpatim“ [מִשׁפְט - Mischpatמִשׁפְט
Urteil, Rechtsordnung
- Gesetz, plural: מִּשְׁפָּטִים], also Gesetze - rationale Gesetze (im Gegensatz zu Chuqqim [חֹק – Choqחוֹק
Gesetz
- Gesetz, plural: חֻקִּים - Chuqqim], die wir ohne logische Erklärung halten müssen). Wie wir in der Vergangenheit gelernt haben, sind es vor allem zwischenmenschliche Mizwotמִצְוָוה
Gebot,
plural: מִצְווֹת
Mizwot
.

 
 

 

Zögere nicht!

”מְלֵאָתְךָ֥ וְדִמְעֲךָ֖ לֹ֣א תְאַחֵ֑ר בְּכ֥וֹר בָּנֶ֖יךָ תִּתֶּן־לִֽי׃“

(שמות כ"ב כ"ח)

„Mit deinem Getreide und deinem Nass zögere nicht; die Erstgeborenen unter deinen Söhnen sollst du mir geben.“

(Schmot, Exodus, 2. Buch Moses, 22: 28)
 

Was hat es mit diesem Zögern (bzw. dem Verbot des Zögerns) auf sich?

Da gibt es unterschiedliche Peruschimפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung,
plural: פֵּירוּשִׁים - Peruschim
:

Raschi geht es um darum, die vorgeschriebene Reihenfolge nicht zu ändern: zuerst gebe dieses, dann jenes. Kurz gesagt: Die Reihenfolge ist wichtig.

Eine Generation später widerspricht ihm Rabbi Josef ben Jizchak Bechor Schor [יוֹסֵף בֶּן־יִצחָק בְּכוֹר־שׁוֹר], wie Raschi einer der Tosafisten, oder Autoren der Tossafot [תּוֹסָפוֹת]: man soll - so Schor - ZUERST Opfergaben geben und ERST DANACH für sich selbst nehmen. Es geht also nicht um die (chronologische) Reihenfolge, sondern um die (moralische) Priorität. Nicht das Neueste zuerst, sondern das Wichtigste zuerst!

Raba [ראב"ע‎], auch bekannt als Ibn Esra [ר׳ אַבְרָהָם בֶּן מֵאִיר אִבְּן עֶזְרָא] hat eine ganz andere Interpretation: Er sagt, „gebe mir die Erstgeborenen“ heißt, in anderen Worten: man solle die Heirat nicht hinauszögern. (In religiösen jüdischen Familien wird bis heute in chronologischer Reihenfolge geheiratet, d.h., der Zweitgeborene kann nicht heiraten, bevor der Erstgeborene „unter der Haube“ ist). Da die fruchtbare Phase des Menschen relativ kurz ist, spielt der Zeitpunkt eine Rolle. Nutze den Augenblick.

Und dann gibt es den RaMCHal, [רַמחַ״ל - רַבִּי מֹשֶׁה חַיִּים לוּצַטּוֹ - Rabbi Moscheh Chajim Luzatto] einer der wichtigsten Autoren von Mussar-Literatur, der in seinem Mammutwerk Messillat Jescharim [מְסִילַּת יְשָׁרִים - „der Weg der Gerechten“] sage und schreibe 4 (!) Kapitel der Charaktereigenschaft der Srisut [זְרִיזוּת – Eile] widmet. Dass der RaMCHaL der Srisut gleich vier Kapitel widmet, unterstreicht, dass es im Judentum nicht nur darauf ankommt, was man tut, sondern mit welcher Energie und Begeisterung man es tut.

Kurzum, Mizwot sollten wir sofort und umgehend ausführen, noch bevor der Jezer HaRa’יֵצֶר הָרַע
Trieb des Bösen
die Möglichkeit hat, uns davon abzuhalten.

(eine Englische Online-Übersetzung des gesamten Buches gibt es hier: https://dafyomireview.com/mesilat.php,
das Hebräische Original hier: https://www.sefaria.org.il/Mesillat_Yesharim.1?lang=he)

In anderen Worten geht es beim RaMCHal nicht um spezifische Mizwot, sondern um alle Gebote (bei Verboten ist S‘hirut [זְהִירוּת - Vorsicht] angebracht) - und die Eile hat einen Wert an sich - sie setzt die Prioritäten unseres Lebens!

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

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26. Schwat 5786,   13. Februar 2026

 

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