Begriffe im Judentum
Eintrag: Ad'rabba - אַדְרַבֲָא
Eintrag:
Ad'rabba
Hebräisch:
אַדְרַבֲָא
Übersetzung:
Im Gegenteil, gerade umgekehrt;
in modernem Hebräisch auch: „durchaus“, „unbedingt“
Wurzel:
Aramäisch: עַד דְרַבָּה (bis zum Größeren)
Bedeutung und Gebrauch:
Ad'rabba (oft auch: Aderaba) ist ein aramäischer Ausdruck, der „ganz im Gegenteil“ oder „gerade das Gegenteil ist wahr“ bedeutet. In Diskussionen wird er verwendet, um einem Argument zu widersprechen oder eine gegenteilige Meinung zu vertreten. Der Ausdruck findet sich in talmudischer Literatur, rabbinischen Schriften und ist auch im modernen Hebräisch geläufig, etwa im Sinne von: „durchaus“, „bitte sehr“, „nur zu“.
Etymologie:
- Aramäisch: עד דרבא (ʻad dərabbā) = „bis zum Größeren“
- Wörtlich: „auf das Größere hin“
- Die hebräische Schreibweise ist: אַדְרַבֲָא
- Eingegangen ins Jiddische als: Aderabe (אדראבע)
Sprachliche Verwendung:
- Talmudischer Diskurs: „Ad'rabba!“ als Gegenargument
- Alltagssprache: „Du denkst, spät ins Bett gehen hilft dir? Ad'rabba! Du wirst morgen nur müder sein.“
- Redewendung: „Ad'rabba we-Ad'rabba“ (אדרבה ואדרבה) = „umso mehr das Gegenteil ist richtig“
Verwendung in Gebet und Kultur:
- Gebet von Rabbi Elimelech von Lyschansk (18. Jh.):
Ein bekanntes Gebet mit dem Titel Ad'rabba ruft zur Einigkeit auf und bittet darum, in anderen Menschen das Gute zu sehen. Es wurde zur Inspiration für viele musikalische Interpretationen.
- Musik:
Avraham Fried vertonte dieses Gebet in einem beliebten Lied. Komponist: Yossi Green.
- Beispiel aus den Medien:
„Wenn wirklich ‚nichts‘ war, dann Ad'rabba – dann untersucht es gründlich!“
(אם לא היה כלום, אדרבא לחקור)
Das Lied „Ad'rabba“ (Avraham Fried)
Einleitung:
Das Gebet Ad'rabba, das Rabbi Elimelech von Lyschansk zugeschrieben wird, ist eine meditative Bitte um inneren Frieden, Einheit und die Fähigkeit, im Anderen stets das Gute zu sehen. Es wird traditionell vor dem Schacharit-Gebet gesprochen. Avraham Fried hat dieses Gebet in einem bewegenden Lied vertont, das weltweit im religiösen Judentum bekannt wurde.
Hebräischer Originaltext:
אַדְרַבֲָא, תֵּן בְּלִבֵּנוּ
שֶׁנִרְאֶה כָּל אֶחָד
מַעֲלַת חֲבֵרֵינוּ
אַדְרַבֲָא, תֵּן בְּלִבֵּנוּ
שֶׁנִרְאֶה כָּל אֶחָד
מַעֲלַת חֲבֵרֵינוּ
וְלֹא וְלֹא חֶסְרוֹנָם
(x2)
וְשֶׁנְדַבֵּר כָּל אֶחָד אֶת חֲבֵרוֹ
בַּדֶרֶךְ הַיָשָׁר
וְהָרָצוּי לְפָנֶיךָ.
וְאַל יַעֲלֶה בְּלִבֵּנוּ, שׁוּם שִּׂנְאָה
מֵאֶחָד עַל חֲבֵרוֹ חָלִילָה
(x2)
וּתְחַזֵק אוֹתָנוּ בְּאַהֲבָה בְּאַהֲבָה אֵלֶיךָ
כַּאֲשֶׁר, גָּלוּי וְיָדוּעַ, לְפָנֶיךָ.
שֶׁיְּהֵא הַכֹּל, נַחַת רוּחַ נַחַת רוּחַ אֵלֶיךָ.
שֶׁיְּהֵא הַכֹּל, נַחַת רוּחַ נַחַת רוּחַ אֵלֶיךָ.
(x2)
ָאָמֵן - כֵּן יְהִי רָצוֹן.
Transliteration:
Ad’rabba, ten belibejnu
schenireh kol echad
ma'alat chawerejnu.
Ad’rabba, ten belibejnu
schenireh kol echad
ma'alat chawerejnu
we'lo we'lo chesronam.
(x2)
We'schenedaber kol echad et chawero,
baderech hajaschar
we'harazui lefanecha.
We'al ja'aleh belibejnu, schum sinah
me'echad al chavero chalilah
(x2)
We'techaseq otanu be'ahwah ejlecha
Ka'ascher, galuj wejadua, lefanecha.
Schejehe hakol, nachat ruach eilecha.
Schejehe hakol, nachat ruach eilecha.
(x2)
Amen - ken jehi razon.
Deutsche Übersetzung:
Ad'rabba, gib in unser Herz,
dass wir bei jedem Menschen
seine Stärken sehen.
Ad'rabba, gib in unser Herz,
dass wir bei jedem Menschen
seine Stärken sehen -
nicht seine Schwächen.
(x2)
Und dass jeder von uns mit seinem Nächsten
auf ehrliche
und dir wohlgefällige Weise spricht.
Und dass niemals, um Himmels willen,
Hass in unseren Herzen gegen einen anderen aufkomme.
(x2)
Stärke uns in unserer Liebe zu dir,
wie es dir offenbar und bekannt ist.
Möge alles, was wir tun, zu deiner Freude und deinem Wohlgefallen sein.
Möge alles, was wir tun, zu deiner Freude und deinem Wohlgefallen sein.
(x2)
Amen – so sei dein Wille.
Hören Sie Avraham Frieds Version von „Ad'rabba“: