Begriffe im Judentum
Eintrag: Perusch - פֵּירוּשׁ

Begriffe im Judentum

Eintrag: Perusch - פֵּירוּשׁ

 

Eintrag:

Perusch

Hebräisch:

פֵּירוּשׁ

Übersetzung:

Interpretation, Auslegung

Wortart:

Substantiv

Geschlecht:

Männlich

Wurzel:

פ.ר.ש

Plural:

Peruschim

פֵּירוּשִׁים

 
 
 

Zusamenfassend

Der Begriff Perusch (hebräisch: פֵּירוּשׁ) bedeutet wörtlich „Auslegung“ oder „Erklärung“ und bezieht sich insbesondere auf Kommentare zu religiösen Texten im Judentum. Der Begriff leitet sich vom Verb parasch (פָּרַשׁ) ab, das „trennen“, „erläutern“ oder „auslegen“ bedeutet. Diese Wurzel weist auf die Funktion eines Perusch hin: etwas zu klären, verständlich zu machen und vom bloßen Wortlaut zu einer tieferen Bedeutung vorzudringen.

 

 

Verwendung

Kommentar / Auslegung:
Ein Perusch ist typischerweise ein erläuternder Kommentar zu einem jüdischen Text, insbesondere zur Torah, dem Talmud oder Midraschim. Ein klassisches Beispiel ist der Perusch von Raschi (1040–1105) zu Torah und Talmud – einer der bekanntesten und am häufigsten studierten Kommentare in der jüdischen Welt.

Etymologische Verbindung zu „parasch“:
Das zugrunde liegende Verb parasch bedeutet auch „absondern“ oder „erläutern“. Damit ist die Idee verbunden, komplexe Inhalte „herauszulösen“, sie aufzuschlüsseln und verständlich zu machen – ein zentrales Ziel jeder Perusch-Literatur.

In der jüdischen Gelehrsamkeit:
Der Begriff Perusch wird in der Judaistik als Sammelbezeichnung für verschiedenste Kommentare verwendet – von klassischen rabbinischen Auslegungen bis hin zu modernen exegetischen Ansätzen. Diese Peruschim helfen, die Bedeutung und Relevanz der jüdischen Quelltexte im jeweiligen historischen, sprachlichen und theologischen Kontext zu erschließen.

Verwandte Begriffe:
Auch der Begriff Paraschah (פָּרָשָׁה) – Bezeichnung für eine wöchentliche Torahlesung – stammt von derselben Wurzel פ.ר.ש. Dies betont die Verbindung zwischen der Einteilung (Trennung) der Texte und deren Erklärung (Auslegung).

 

 

Berühmte Peruschim in der jüdischen Tradition

Hier folgt eine kurze Übersicht bedeutender rabbinischer Kommentatoren (מְפָרְשִׁים - Mepharschim) und ihrer wichtigsten Peruschim (Auslegungen), die bis heute das jüdische Textstudium prägen:

Autor Zeitraum Job Title Besonderheit
Raschi (רש"י) 1040–1105 Kommentar zu Torah & Talmud Klar, prägnant, midraschisch geprägt
RambaN (Nachmanides) 1194–1270 Kommentar zur Torah Mystisch, philosophisch, kabbalistisch
Raschbam ca. 1085–1158 Torah-Kommentar P'schat-orientiert (wörtlicher Sinn)
Ibn Esra 1089–1167 Torah-Kommentar Grammatikalisch, rational, philosophisch
Sforno 1475–1550 Torah-Kommentar Humanistisch, moralisch-philosophisch
Malbim 1809–1879 Kommentar zu Torah & Propheten Sprachexegese, systematische Struktur
Nechama Leibowitz 1905–1997 Didaktische Auslegungen zur Torah Modern, interaktiv, klassische Quellen kombiniert

Diese Kommentatoren repräsentieren unterschiedliche methodische und weltanschauliche Ansätze: vom Midrasch und Mystik bis zu Grammatik und Moderne. Ihre Werke werden in der jüdischen Lerntradition als Peruschim bezeichnet und bilden die Grundlage für das Verständnis der Torah und anderer heiliger Texte.

 

 
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