D'warim - die Kraft der Worte
UnsereParaschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt so wie das 5. Buch Moses, das sie eröffnet „D’warim“ [דְּבָרִים], also Worte. Während allerdings in den ersten vier Büchern Haschem sprach (und Moscheh niederschrieb), spricht im letzten Buch Moses fast ausschließlich Moscheh Rabenu.
- Was ist die Wichtigkeit der Worte?
- Sind Taten nicht viel wichtiger im Judentum und überhaupt?
- Was sollen die Worte bewirken?
Dies sind die Worte
”אֵ֣לֶּה הַדְּבָרִ֗ים אֲשֶׁ֨ר דִּבֶּ֤ר מֹשֶׁה֙ אֶל־כׇּל־יִשְׂרָאֵ֔ל בְּעֵ֖בֶר הַיַּרְדֵּ֑ן בַּמִּדְבָּ֡ר בָּֽעֲרָבָה֩ מ֨וֹל ס֜וּף בֵּֽין־פָּארָ֧ן וּבֵֽין־תֹּ֛פֶל וְלָבָ֥ן וַחֲצֵרֹ֖ת וְדִ֥י זָהָֽב׃“
(דברים א' א')
„Dies sind die Reden, die geredet Moscheh zu ganz Jisrael diesseits des Jarden in der Wüste in der Ebene, Suf gegenüber, zwischen Paran und zwischen Tofel und Laban und Chazerot und Di Sahab.“
(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Moses, 1 : 1)
Ist es nicht interessant, dass das erste Buch Moses - B’reschit [בְּרֵאשִׁית] - damit beginnt, dass G-tt die Welt durch Worte erschafft, und dass das fünfte (und letzte) Buch Moses erneut an die Macht der Worte erinnert?
Uns wird schon in jungen Jahren beigebracht, dass Worte Macht haben. So ändert beispielsweise ein Satz*** in einer jüdischen Hochzeit den Status von zwei Menschen von single zu verheiratet. Auch gilt L‘schon HaRa‘ [לְשׁוֹן הָרָע] als eine große Sünde.
*** הֲרֵי אַתְּ מְקֻדֶּשֶׁת לִי בְּטַבַּעַת זוֹ כְּדַת מֹשֶׁה וְיִשְׂרָאֵל
Harej at m’kudeschet li b’Taba’at su k’dat Moscheh w’Jisrael.
Siehe, mit diesem Ring bist du mir nach dem Gesetz des Moscheh und Israels geweiht.
Jedoch gilt im Judentum auch das Prinzip, dass Taten wichtiger sind, oder - pun intended! - mehr sagen als Worte.
Unsere Paraschah verdeutlicht die Wahrheit und den Wert beider Lehren.
Eine neue Perspektive
Moscheh Rabbenu erinnert sich in unserem Wochenabschnitt an die Ereignisse der über 40 Jahre, die das Volk Israel in der Wüste verbrachten. Seine Erinnerung scheint frei von Emotionen zu sein; er urteilt nicht, sondern erinnert sich einfach. Dies ist im Gegensatz zu den ersten vier Büchern Moses, und auch zu dem Prinzip des Pessach-Seders , wo wir eben NICHT nur die historische Geschichte des Auszugs aus Ägyptens erzählen, sondern wo jeder sich so fühlen soll, als ob ER SELBST aus Ägypten ausgezogen wäre-
Erinnern und Erzählen sind absolut notwendig, aber sie verlieren ihren Wert, wenn wir selbstzufrieden werden und uns von unserer Geschichte und unseren Erzählungen distanzieren. Es schadet uns, zu tun, als sei die Arbeit getan und abgeschlossen, wenn wir uns an die Geschichte unserer Vorfahren am Vorabend des Einzugs ins Gelobte Land erinnern und sie weitererzählen. Es schadet uns, weil die Arbeit mit dem Einzug ins Heilige Land nicht aufhört, und es ständig neue Herausforderungen gibt.
Es ist unerlässlich, dass wir die Errungenschaften vergangener Generationen nicht als selbstverständlich ansehen. Wir müssen aktiv von ihnen lernen und sie bewahren. Dies ist eine Lebensaufgabe, die nie zu Ende geht.
So wie es heißt:
”לֹא עָלֶיךָ הַמְּלָאכָה לִגְמֹר,
וְלֹא אַתָּה בֶן חוֹרִין לִבָּטֵל מִמֶּנָּה.“(מסכת אבות ב' כ"א)
„Es ist nicht unsere Pflicht, die Arbeit zu beenden,
aber wir sind auch nicht frei, davon abzulassen.“(Pirkei Awot 2:21)