WaEtchanan - Zuhören, lernen, einhalten, aber vor allem: DEN WEG GEHEN
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt WaEtchanan [וָאֶתְחַנַּן - und ich flehte]. Es ist gewissermaßen eine „Bestsellerliste“ der wichtigsten Inhalte der Torah, sowohl der Gesetze als auch der Erzählungen. Wir finden eine Wiederholung der Zehn Gebote, wir lesen die Worte des Schma‘ Jisrael Gebets [שְׁמַע יִשְׂרָאֵל], werden an unsere Befreiung aus der Sklaverei im Land Ägypten erinnert und vor dem Götzendienst gewarnt (inkomplette Liste).
- Warum aber wird das Volk Israel aufgefordert, die Mizwotⓘמִצְוָוה
Gebot,
plural: מִצְווֹת
Mizwot zuerst zu hören, dann zu lernen, und erst danach einzuhalten? - Was hat die Wortwahl „den Weg zu gehen“ [בְּכָל-הַדֶּרֶךְ - תֵּלֵכוּ], der später kommt, für eine Bedeutung?
Höre, lerne - halte ein
”וַיִּקְרָ֣א מֹשֶׁה֮ אֶל־כׇּל־יִשְׂרָאֵל֒ וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵהֶ֗ם שְׁמַ֤ע יִשְׂרָאֵל֙ אֶת־הַחֻקִּ֣ים וְאֶת־הַמִּשְׁפָּטִ֔ים אֲשֶׁ֧ר אָנֹכִ֛י דֹּבֵ֥ר בְּאׇזְנֵיכֶ֖ם הַיּ֑וֹם וּלְמַדְתֶּ֣ם אֹתָ֔ם וּשְׁמַרְתֶּ֖ם לַעֲשֹׂתָֽם׃“
(דברים ה' א')
„Und Moscheh berief ganz Jisrael und sprach zu ihnen: Höre, Jisrael, die Satzungen und die Vorschriften, die ich heute vor euren Ohren rede, dass ihr sie lernet und beobachtet, sie zu tun. “
(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Moses, 5 : 1)
Die Reihenfolge hier ist - wie immer in der Torah - nicht zufällig. Zuerst geht es darum, zu hören - und zwar mit vollkommener Konzentration, ohne Ablenkung. Nur wenn wir etwas verstehen, können wir es verinnerlichen. Und darum geht es im nächsten Satz: Lernen, also wiederholen, und dann nicht nur wie beim ersten Mal den Pschattⓘפְּשָׁט
wörtliche (direkte) Bedeutung, sondern auch die tiefere Bedeutung erkennen. Und erst nach diesem Prozess können wir die Gebote auch halten.
Diese Methodologie hat sich in fast allen Disziplinen des Lebens bewiesen - eine andere Reihenfolge oder das Auslassen eines der Schritte führt fast immer zu Misserfolg.
Gehe den Weg
”בְּכׇל־הַדֶּ֗רֶךְ אֲשֶׁ֨ר צִוָּ֜ה יְהֹוָ֧ה אֱלֹהֵיכֶ֛ם אֶתְכֶ֖ם תֵּלֵ֑כוּ לְמַ֤עַן תִּֽחְיוּן֙ וְט֣וֹב לָכֶ֔ם וְהַאֲרַכְתֶּ֣ם יָמִ֔ים בָּאָ֖רֶץ אֲשֶׁ֥ר תִּֽירָשֽׁוּן׃“
(דברים ה' כ"ט)
„Gerade auf dem Weg, den HaSchem, euer Gott, euch geboten, geht, auf dass ihr lebt und es euch wohlergeht und ihr lange lebt in dem Land, das ihr einnehmt. “
(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Moses, 5 : 29)
Die Wortwahl ist auch hier nicht zufällig: Die Wörter „gehen“ (תֵּלֵכוּ) und „Pfad“ (דֶּרֶךְ) stehen in direktem Zusammenhang mit dem jüdischen Religionsgesetz, der Halachah [הֲלָכָה]. Halachah bedeutet wörtlich „Gehen“. (Nebenbei übersetzt sich auch das islamische Pendant, die Scharia‘ [شَرِيعَة], als „Weg/Pfad“). Es gibt kein Judentum ohne Halachah. Sie ist der Weg, jüdisch-religiöse Ideen in die Tat umzusetzen.
Unsere Paraschah erinnert uns daran, dass wir alle die Fähigkeit haben, diesen Weg zu gehen. Wir alle müssen uns daran beteiligen, die Weisheit unserer heiligen Texte in unser heutiges Leben zu übertragen, damit sie Wirkung entfalten können.
Oder in den Worten unserer Paraschah:
”לֹ֣א אֶת־אֲבֹתֵ֔ינוּ כָּרַ֥ת יְהֹוָ֖ה אֶת־הַבְּרִ֣ית הַזֹּ֑את כִּ֣י אִתָּ֔נוּ אֲנַ֨חְנוּ אֵ֥לֶּה פֹ֛ה הַיּ֖וֹם כֻּלָּ֥נוּ חַיִּֽים׃“
(דברים ה' ג')
„Nicht mit unseren Vätern hat HaSchem diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, diesen hier, die wir heute alle leben.“
(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Moses, 5 : 3)