‘Eqew - Wer nicht hören will, muss fühlen
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt ‘Eqew [עֵקֶב] (deswegen). Es geht um die Mizwotⓘמִצְוָוה
Gebot,
plural: מִצְווֹת
Mizwot, und spezifisch darum,
- was passiert, wenn wir sie einhalten
- und was passiert, wenn wir sie nicht einhalten.
In beiden Fällen gilt das bekannte deutsche Sprichwort: „Wer nicht hören will, muss fühlen!“
Wer hört - fühlt Gutes
”וְהָיָ֣ה ׀ עֵ֣קֶב תִּשְׁמְע֗וּן אֵ֤ת הַמִּשְׁפָּטִים֙ הָאֵ֔לֶּה וּשְׁמַרְתֶּ֥ם וַעֲשִׂיתֶ֖ם אֹתָ֑ם וְשָׁמַר֩ יְהֹוָ֨ה אֱלֹהֶ֜יךָ לְךָ֗ אֶֽת־הַבְּרִית֙ וְאֶת־הַחֶ֔סֶד אֲשֶׁ֥ר נִשְׁבַּ֖ע לַאֲבֹתֶֽיך׃“
(דברים ז' י"ב)
„Und es wird geschehen: zum Lohn, dass ihr gehorcht diesen Vorschriften und sie beobachtet und tut, wird HaSchem, dein Gott, dir bewahren den Bund und die Gnade, die er geschworen deinen Vätern.“
(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Moses, 7 : 12)
Unser Wochenabschnitt beginnt mit einer positiven Aussage: Wenn wir die Mischpatimⓘמִשׁפְט
Urteil, Rechtsordnung; plural: מִשׁפָטִים
Mischpatim befolgen, werden wir von HaSchem belohnt. Interessanterweise steht im Hebräischen Original nicht befolgen, sondern תִּשְׁמְעוּן (ausgesprochen tischm’un), also hört!
Und das bringt uns zu dem bekannten deutschen Sprichwort (das wohl, wie so viele, jüdischen Ursprungs ist, vielleicht sogar von dieser Paraschah? Eine nicht bewiesene These) „Wer nicht hören will, muss fühlen”.
Dieses Sprichwort wird meist im negativen Sinne benutzt, also „wer die Warnung (z.B. davor, die heiße Herdplatte anzufassen) ignoriert, der wird am eigenen Leib die unangenehmen Folgen (Brantwunden in der Hand) erfahren“. Oder in anderen Worten: Gebranntes Kind scheut das Feuer.
Nicht aber hier: Wenn wir etwas POSITIVES tun, dann erfahren wir am eigenen Leib eine BELOHNUNG. Dazu gibt es eine große Machaloqet [מַחֲלוֹקֶת] (theologische Debatte), denn wir sollen Mizwot um ihrer selbst willen halten, nicht, um dafür belohnt zu werden. Zudem gilt, dass die Wege des Herrn unergründlich sind, oder im Original:
”כִּ֣י לֹ֤א מַחְשְׁבוֹתַי֙ מַחְשְׁב֣וֹתֵיכֶ֔ם וְלֹ֥א דַרְכֵיכֶ֖ם דְּרָכָ֑י נְאֻ֖ם יְהֹוָֽה׃ כִּֽי־גָבְה֥וּ שָׁמַ֖יִם מֵאָ֑רֶץ כֵּ֣ן גָּבְה֤וּ דְרָכַי֙ מִדַּרְכֵיכֶ֔ם וּמַחְשְׁבֹתַ֖י מִמַּחְשְׁבֹֽתֵיכֶֽם׃“
(ישעיהו נ"ה ח'-ט')
„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn wie der Himmel die Erde überragt, so sind auch meine Wege viel höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“
(Jeschajahu, Isaias, Jesaja 55:8-9)
Und trotzdem sagt der Pschattⓘפְּשָׁט
wörtliche (direkte) Bedeutung unserer Paraschah: wer hört, fühlt (Gutes)
Die Reihenfolge hier ist - wie immer in der Torah - nicht zufällig. Zuerst geht es darum, zu hören - und zwar mit vollkommener Konzentration, ohne Ablenkung. Nur wenn wir etwas verstehen, können wir es verinnerlichen. Und darum geht es im nächsten Satz: Lernen, also wiederholen, und dann nicht nur wie beim ersten Mal den Pschattⓘפְּשָׁט
wörtliche (direkte) Bedeutung, sondern auch die tiefere Bedeutung erkennen. Und erst nach diesem Prozess können wir die Gebote auch halten.
Diese Methodologie hat sich in fast allen Disziplinen des Lebens bewiesen - eine andere Reihenfolge oder das Auslassen eines der Schritte führt fast immer zu Misserfolg.
Wer nicht hören will, muss (Schlechtes) fühlen
”כַּגּוֹיִ֗ם אֲשֶׁ֤ר יְהֹוָה֙ מַאֲבִ֣יד מִפְּנֵיכֶ֔ם כֵּ֖ן תֹּאבֵד֑וּן עֵ֚קֶב לֹ֣א תִשְׁמְע֔וּן בְּק֖וֹל יְהֹוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃“
(דברים ח' כ')
„Wie die Völker, welche HaSchem vor euch vernichtet, so werdet ihr umkommen, zum Lohn, dass ihr nicht hören wollt auf die Stimme von HaSchem, eures Gottes..“
(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Moses, 8 : 20)
Das ist der Peruschⓘפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung, der sich auch als „wer nicht hören will, muss fühlen“ übersetzen lässt: „Zum Lohn“ (im Hebräischen Original steht ‘Eqew, also „deswegen“, so wie der Name der Paraschah) des NICHT-Hören kommt das Fühlen.
Das Interessante hierbei ist, dass der GRUND der Mizwot weniger eine Rolle spielen als die Konsequenz der Nicht-Einhaltung. Auf „Warum (wurden bestimmte Gebote gegeben)?“ ist die Antwort „Darum (es gibt nicht immer eine Antwort, aber wenn wir die Gebote nicht halten, werden wir bestraft)“.
In der deutschen Kult-Serie „Pumuckl“ wird dieses Prinzip gut gezeigt: Als Pumuckl die Regel von Meister Eder bricht, folgt die Strafe auf den Fuß - bzw. aufs Auto (siehe Videoclip). Meister Eder sagt ihm das, was unsere Paraschah uns sagt: „Wer nicht hören will, muss fühlen!“