Balaq - Zelt oder Pflanze
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt „Balaq“ [בָּלָק], nach dem König von Moab. Im Zentrum stehen die Segenssprüche, mit denen der nicht-jüdische Prophet Bilam das jüdische Volk segnet. Das bekannteste davon, dass beim Eintritt in eine Synagoge gesagt wird, ist das Mah Towu [מַה טֹּבוּ] – „wie schön sind deine Zelte Jakobs und deine Wohnungen, Israel“.
- Was aber, wenn gar nicht Zelte gemeint sind, sondern eine Pflanzengattung, die im Satz danach in der Paraschah erwähnt wird?
- Und was können wir davon lernen?
Wie schön sind deine…Zelte (?)
”מַה־טֹּ֥בוּ אֹהָלֶ֖יךָ יַעֲקֹ֑ב מִשְׁכְּנֹתֶ֖יךָ יִשְׂרָאֵֽל׃“
(במדבר כ"ד ה')
„Wie schön sind deine Zelte Jaakow, deine Wohnungen Jisrael! “
(BaMidbar, Numeri, 4. Buch Moses, 24:5)
Bil’am [בִּלְעָם], der diese Worte spricht, will das Volk Israel verfluchen. Stattdessen kommt aus seinem Mund diese Brachahⓘבְּרָכָה
Segensspruch, Segensformel, Benediktion
Plural: בְּרָכוֹת
Brachot, die, wie bereits erwähnt, Juden heute beim Eintreten in eine Synagoge sagen.
Aloebäume in der Wüste
Das Hebräische Wort א-ה-ל wird meistens als „Zelt“ übersetzt, was auch Sinn macht. Auch im modernen Hebräisch bedeutet „Ohel“ [אֹהֶל] Zelt.
Im Biblischen Hebräisch jedoch hat „Ohel“ auch eine andere Bedeutung, nämlich Aloe, allseits bekannt durch die Aloe-Vera-Creme und ihre heilende und schmerzlindernde Wirkung.
(Im modernen Hebräisch wird אָהָל als Mesembryanthemum übersetzt. Es handelt sich um eine einjährige Pflanze aus der Familie der Asteraceae.)
Wie Zelte - oder Aloebäume?
”כִּנְחָלִ֣ים נִטָּ֔יוּ כְּגַנֹּ֖ת עֲלֵ֣י נָהָ֑ר כַּאֲהָלִים֙ נָטַ֣ע יְהֹוָ֔ה כַּאֲרָזִ֖ים עֲלֵי־מָֽיִם׃“
(במדבר כ"ד ו')
„Wie Bäche sich hinstrecken, wie Gärten am Strom, wie Aloebäume, die HaSchem gepflanzt, wie Zedern am Wasser. “
(BaMidbar, Numeri, 4. Buch Moses, 24:6)
Im nächsten Satz steht nach Hebräischer Schreibweise dasselbe Wort, wird aber als Aloebäume und nicht als Zelte übersetzt.
Hier ein Screenshot der beiden Zelte/Aloebäume, wie sie im biblischen Text erscheinen (markiert):
Dazu gibt es eine talmudische Diskussion. Eine Meinung von Chasalⓘ חז״ל
Unsere Weisen z”l
(Die Weisen der Mischnah- und Talmud-Ära) ist, dass beide Male „Zelte“ gemeint sind.
Ich will dawkaⓘדַּוְקָא
genau, absichtlich, gerade die Gegenmeinung vertreten, nämlich dass beide Male Aloe-Bäume gemeint sind:
Aloe-Vera-Gel besitzt heilende Eigenschaften, die besonders in der Jahreszeit, in der der Wochenabschnitt Balaq gelesen wird (Sommer), vertraut sind. Aloe-Gel gilt als unverzichtbares Mittel gegen Sonnenbrand. Unter idealen natürlichen Bedingungen kann ein Aloe-Baum enorm groß werden.
In anderen Worten: Zelte spenden Schatten und schützen vor der Sonne. Auch Aloe-Bäume spenden Schatten, und Aloe-Vera-Creme lindert Schmerzen und hilft, Sonnenbrände zu heilen.
Eigentlich ist es unwichtig, was die richtige Übersetzung ist, denn sowohl Zelte als auch Aloe besitzen positive Eigenschaften für Körper und Seele.
Und das ist der springende Punkt: Bil´am will dem Volk Israel Unglück bringen, will es verfluchen, in der Wüste ungeschützt zu sterben. Sein „Fluch“ wird aber zum Segen, denn er wünscht dem Volk Israel den schützenden körperlichen und seelischen Schatten eines Aloe-Baums oder Zeltes herbei, und die heilende Wirkung eines kühlen Zeltes oder einer kühlen Aloe-Vera-Creme.
Mögen wir alle gesegnet sein, im Zelte Jakobs oder im Schatten der g-ttlichen Aloebäume zu sitzen.