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Der Wochenabschnitt
רְאֵה
R'eh

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


R'eh -  Wer nicht hören will, muss fühlen

Unsere Paraschah פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
heißt R'eh [רְאֵה] (Sehen). Es geht u.a. um Segen, Beten und Selbstverwirklichung. (Siehe auch)

 

Leider haben diese Vorschriften auch heute noch nichts an Aktualität verloren.

 

 

Ihr seid nicht alleine

”בָּנִ֣ים אַתֶּ֔ם לַיהֹוָ֖ה אֱלֹהֵיכֶ֑ם לֹ֣א תִתְגֹּֽדְד֗וּ וְלֹֽא־תָשִׂ֧ימוּ קׇרְחָ֛ה בֵּ֥ין עֵינֵיכֶ֖ם לָמֵֽת׃“

(דברים י"ד א')

„Kinder seid ihr von HaSchem, eurem Gott; macht euch keine Schnitte und scheret keine Glatze zwischen euren Augen um einen Toten.“

(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Mose, 14 : 1)

Als Vorbemerkung ist es interessant festzustellen, dass sich die schriftliche Torah (תּוֹרָה שֶׁבְּכְתָב, ausgesprochen: Torah scheb‘Chtaw), also der Tanach [תַּנַ״ךְ], im Gegensatz zu der mündlichen Torah (תּוֹרָה שְׁבַעַל־פֶּה, ausgesprochen: Torah sch‘wa‘al-Peh), also den späteren Schriften des Rabbinischen Judentums, sich nicht mit dem Leben nach dem Tod befasst, sondern nur mit dem Leben auf dieser Welt. Der Tod wird im Zusammenhang der Angehörigen beschrieben.

Und diese nehmen den Tod eines Verwandten oder engen Freundes sehr zu Herzen, und noch mehr, wenn er oder sie jung sterben, wie das leider in Israel schon seit der Staatsgründung der Fall ist, und insbesondere seit dem 7. Oktober, als viele junge Menschen als Zivilisten oder Soldaten starben.

Zu biblischen Zeiten war es üblich, dass die Hinterbliebenen sich in der Trauer so stark kratzen, dass ihr Körper blutüberströmt war und manchmal auch Narben hinterließ. Dieses Verhalten findet sich auch in der Gegenwart wieder, insbesondere unter Jugendlichen. Das sogenannte Ritzen wird in der Fachsprache als selbstverletzendes Verhalten (SVV) bzw. nicht suizidale Selbstverletzung (NSSV) bezeichnet.

Und genau dazu sagt unsere Paraschah: STOPP! Macht Euch keine Schnitte, schert Euch keine Glatze um die Toten. Trauern ist wichtig, aber es darf nicht selbstzerstörerisch werden. Später entwickelte sich im Judentum Trauervorschriften, die auf diesen Satz aufbauen: So wird bei der Beerdigung ein Loch in DIE KLEIDUNG geschnitten (aber der Körper der Trauernden bleibt unversehrt), und man lässt sich einen Bart wachsen. Das sind nur zwei von sehr vielen Trauervorschriften.

Es stellt sich aber die Frage: Warum sollen wir uns einschränken, wenn wir beispielsweise als Eltern eines unserer Kinder, vielleicht sogar das Einzige, beerdigen? Der Traurigkeit sind doch keine Grenzen gesetzt, und der Einsamkeit, dem Loch, das dieser Tod entstehen lässt, auch nicht. Oder?

Auch hier sagt die Torah: NEIN! Ihr seid nicht alleine! Oder, in den Worten oben:

 

 

Ihr seid nicht alleine

”בבָּנִ֣ים אַתֶּ֔ם לַיהֹוָ֖ה אֱלֹהֵיכֶ֑ם ...“

(דברים י"ד א')

„Kinder seid ihr von HaSchem...“

(D‘warim, Deuteronomii, 5. Buch Mose, 14 : 1)

In anderen Worten: Wir - Menschen und G´tt - werden diese schwere Zeit GEMEINSAM überstehen. (Ein deutsches Sprichwort sagt: Geteiltes Leid ist halbes Leid)

Ich füge hinzu, dass die Schiw´ah [שִׁבְעָה] auch Teil dieser „Trauer-Strategie“ ist: die trauernde Familie ist eine ganze Woche lang von anderen Menschen umgeben, die ihnen zu verstehen geben: Ihr seid nicht alleine!

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

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24. Aw 5786,   07. August 2026

 

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