Chaje Sarah - Gehe NICHT אַל תֵּלֶךְ לְךָ
Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt heißt Chaje Sarah, [חַיֵּי שָׂרָה], also „das Leben von Sarah“, obwohl es um ihren Tod geht. Auch findet der wohl erste dokumentierte Schidduch [שִׁדּוּךְ - Heiratsvermittlung] der Weltgeschichte statt, nämlich der von Jizchak und Riwkah, eingefädelt von Elieser [אֱלִיעֶזֶר], treuer Diener Awraham Awinus.
Was hierbei, beim Schidduch, überlesen wird, ist der Grund: Jizchak soll seine Heimat, das Heilige Land, nicht verlassen, im Gegensatz zu Awraham, dem BEFOHLEN wurde („Lech-Lecha“), seine Heimat zu verlassen.
- Warum ist das so?
- Und inwiefern spiegelt es die Geschichte des jüdischen Volkes wider?
Gehe - nicht!
וַיֹּ֤אמֶר אֵלָיו֙ הָעֶ֔בֶד אוּלַי֙ לֹא־תֹאבֶ֣ה הָֽאִשָּׁ֔ה לָלֶ֥כֶת אַחֲרַ֖י אֶל־הָאָ֣רֶץ הַזֹּ֑את הֶֽהָשֵׁ֤ב אָשִׁיב֙ אֶת־בִּנְךָ֔ אֶל־הָאָ֖רֶץ אֲשֶׁר־יָצָ֥אתָ מִשָּֽׁם׃ וַיֹּ֥אמֶר אֵלָ֖יו אַבְרָהָ֑ם הִשָּׁ֣מֶר לְךָ֔ פֶּן־תָּשִׁ֥יב אֶת־בְּנִ֖י שָֽׁמָּה׃ יְהֹוָ֣ה ׀ אֱלֹהֵ֣י הַשָּׁמַ֗יִם אֲשֶׁ֨ר לְקָחַ֜נִי מִבֵּ֣ית אָבִי֮ וּמֵאֶ֣רֶץ מֽוֹלַדְתִּי֒ וַאֲשֶׁ֨ר דִּבֶּר־לִ֜י וַאֲשֶׁ֤ר נִֽשְׁבַּֽע־לִי֙ לֵאמֹ֔ר לְזַ֨רְעֲךָ֔ אֶתֵּ֖ן אֶת־הָאָ֣רֶץ הַזֹּ֑את ה֗וּא יִשְׁלַ֤ח מַלְאָכוֹ֙ לְפָנֶ֔יךָ וְלָקַחְתָּ֥ אִשָּׁ֛ה לִבְנִ֖י מִשָּֽׁם׃ וַיֹּ֥אמֶר אֵלָ֖יו אַבְרָהָ֑ם הִשָּׁ֣מֶר לְךָ֔ פֶּן־תָּשִׁ֥יב אֶת־בְּנִ֖י שָֽׁמָּה׃ וְאִם־לֹ֨א תֹאבֶ֤ה הָֽאִשָּׁה֙ לָלֶ֣כֶת אַחֲרֶ֔יךָ וְנִקִּ֕יתָ מִשְּׁבֻעָתִ֖י זֹ֑את רַ֣ק אֶת־בְּנִ֔י לֹ֥א תָשֵׁ֖ב שָֽׁמָּה׃“
(בראשית כ"ד ה' – ח')
„Und es sprach zu ihm der Knecht: Vielleicht willigt eine Frau nicht, mir zu folgen in dieses Land; soll ich dann deinen Sohn zurückführen in das Land, aus welchem du gezogen bist? Und Awraham sprach: Hüte dich, dass du nicht meinen Sohn dahin zurückführest. HaSchem, der Gott des Himmels, der mich genommen aus dem Hause meines Vaters und aus dem Land meiner Geburt, und der mir zugesagt und der mir geschworen hat, also: Deinen Nachkommen werde ich dieses Land geben; der wird seinen Engel senden vor dir her, damit du eine Frau nimmst für meinen Sohn von dort. Wenn aber eine Frau nicht willigt, dir zu folgen, so bist du ledig dieses meines Schwurs; nur führe nicht meinen Sohn dorthin zurück.“
(B‘reschit, Genesis, 1. Buch Mose, 24 :5 - 8)
Warum kann Jizchak sich nicht einfach selbst eine Frau suchen? Hier steht der Grund: Er soll das Land Israel nicht verlassen! Im Gegensatz zu seinem Vater, Awraham Awinu, und zu seinem Sohn, Jakow Awinu, die beide ihre Heimat verlassen, bleibt Jizchak im Lande.
Awraham Awinu schickt daher Elieser zur Brautsuche ins Ausland. Wie kommt aber Awraham darauf?
Er versteht hier etwas, das explizit erst in der nächsten Paraschah steht, nämlich das g-ttliche Gebot: Ziehe nicht hinab nach Mizrajim, wohne in dem Land, das ich dir sage. (1. Buch Moses 26:2) Und so wie Awrahams g-ttliche Mission Lech-Lecha, also verlasse deine Heimat, war, so ist Jizchaks Mission AL teLech-Lecha [אַל תֵּלֶךְ לְךָ], also verlasse deine Heimat AUF GAR KEINEN FALL!
Eine zeitgenössische Parallele
Nach einem modernen Perusch [פֵּירוּשׁ - Interpretation, Auslegung] Peruschⓘפֵּירוּשׁ
Interpretation, Auslegung spiegelt die Geschichte der vier Generationen, angefangen mit Awraham, die Geschichte des jüdischen Volkes wider, eine Geschichte von Heimat, Exil, Leben in der Diaspora und Rückkehr:
- Abrahams Aufgabe ist es, seine alte Heimat zu verlassen und ins Heilige Land zu ziehen.
- Sein Sohn Jizchak wird beauftragt, trotz Schwierigkeiten (u.a. Hungersnot) sitzhaft zu bleiben.
- Die Herausforderung von Jakob (Jizchaks Sohn) ist es, das Heilige Land zu verlassen und in die Diaspora zu ziehen.
- Und die Aufgabe von Jakobs Sohn Josef ist es, in der feindseligen Diaspora als Mitglied der jüdischen Minderheit zu überleben.
Und das jüdische Volk:
- musste nach der Zerstörung des 2. Beit HaMikdasch im 1. Jahrhundert C.E. wie Jakob das Heilige Land verlassen und in die Diaspora ziehen.
- Dort überlebte es 2000 Jahre lang die feindselige Diaspora wie Josef, trotz Inquisition, Pogrome und der Schoah.
- 1948 wurde schließlich der Staat Israel gegründet. Wie Awraham verließen Juden ihre alten Heimaten und zogen ins Heilige Land, das sie aufbauten.
- Die Aufgabe der jetzigen Generation ist die von Jizchak: Das Land trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen nicht zu verlassen. Und man kann hinzufügen: Zu beweisen, dass wir wie Jizchak dem Lande Awraham würdig sind, und für eine gerechte, moralische und barmherzige Gesellschaft zu kämpfen.