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Der Wochenabschnitt
לֶךְ־לְךָ
Lech-L'cha

Aktuelle Themen zur Wöchentlichen Parascha, aus Jerusalem der Heiligen Stadt, ת"ו


Lech-L'cha -  Hagar, Hagira und Hagarism

Unsere Paraschahⓘ פָּרָשָׁה
Wochenabschnitt
heisst Lech-L'cha [לֶךְ־לְךָ], was als „Gehe zu deiner selbst“ oder „Gehe für dich“ übersetzt werden kann.

Es geht um Awraham Awinu [אַבְרָהָם אָבִינוּ], der die Wege seines Götzen dienenden Vaters verlässt, und sich auf den Weg macht, den Monotheismus in der Welt zu verbreiten.

Es geht aber auch um Awrahams und Sarahs [שָׂרָה] Magd Hagar [הָגָר], die ihm - Sarah gilt zu dem Zeitpunkt als unfruchtbar - einen Sohn gebärt, nämlich Ischmael [יִשְׁמָעֵאל] (nach jüdischen Glauben der Vorvater des Islams).

 

 

Hagar - das Leihmutter- „Arrangement“

”וְשָׂרַי֙ אֵ֣שֶׁת אַבְרָ֔ם לֹ֥א יָלְדָ֖ה ל֑וֹ וְלָ֛הּ שִׁפְחָ֥ה מִצְרִ֖ית וּשְׁמָ֥הּ הָגָֽר׃ וַתֹּ֨אמֶר שָׂרַ֜י אֶל־אַבְרָ֗ם הִנֵּה־נָ֞א עֲצָרַ֤נִי יְהֹוָה֙ מִלֶּ֔דֶת בֹּא־נָא֙ אֶל־שִׁפְחָתִ֔י אוּלַ֥י אִבָּנֶ֖ה מִמֶּ֑נָּה וַיִּשְׁמַ֥ע אַבְרָ֖ם לְק֥וֹל שָׂרָֽי׃ וַתִּקַּ֞ח שָׂרַ֣י אֵֽשֶׁת־אַבְרָ֗ם אֶת־הָגָ֤ר הַמִּצְרִית֙ שִׁפְחָתָ֔הּ מִקֵּץ֙ עֶ֣שֶׂר שָׁנִ֔ים לְשֶׁ֥בֶת אַבְרָ֖ם בְּאֶ֣רֶץ כְּנָ֑עַן וַתִּתֵּ֥ן אֹתָ֛הּ לְאַבְרָ֥ם אִישָׁ֖הּ ל֥וֹ לְאִשָּֽׁה׃ וַיָּבֹ֥א אֶל־הָגָ֖ר וַתַּ֑הַר וַתֵּ֙רֶא֙ כִּ֣י הָרָ֔תָה וַתֵּקַ֥ל גְּבִרְתָּ֖הּ בְּעֵינֶֽיהָ׃“

(בראשית ט"ז א' - ד')

„Und Sarai, eine Frau Abrams gebar ihm nicht, und sie hatte eine mizrische Magd, und ihr Name war: Hagar. Und Sarai sprach zu Abram: Siehe doch, mich hat Gott verschlossen, dass ich nicht gebäre; komm doch zu meiner Magd, vielleicht werde ich durch sie Mutter. Und Abram hörte auf die Stimme Sarais. Und es nahm Sarai, eine Frau Abrams, Hagar, die mizrische, ihre Magd, nach Verlauf von zehn Jahren seit Abrams Aufenthalt im Land Kenaan, und gab sie ihrem Manne Abram, ihm zur Frau. Und er kam zu Hagar, und sie wurde schwanger. Und da sie sah, dass sie schwanger sei, da wurde gering ihre Gebieterin in ihren Augen.“

(B’reschit, Genesis, 1. Buch Moses 16:1 - 4)
 

Ihr Name enthält die Wurzel G-R [ג-ר], so wie in „Gar“ [גָּר], wohnen. Und tatsächlich wohnt sie als Magd bei Awram [אַבְרָם] und Sarai [שָׂרַי] (später Awraham und Sarah). Da Sarai nicht schwanger werden kann, kommt es zum „Arrangement“: Hagar soll Awrams Nachkommen austragen.

Doch kaum ist Hagar schwanger, fühlt sich Sarai minderwertig und hat Angst, dass sie in Awrams Augen weniger wert ist als Hagar. (Etwas, das bei modernen Leihmüttern häufig vorkommt).

 

 

Hagar - die Flucht

”וַיֹּ֨אמֶר אַבְרָ֜ם אֶל־שָׂרַ֗י הִנֵּ֤ה שִׁפְחָתֵךְ֙ בְּיָדֵ֔ךְ עֲשִׂי־לָ֖הּ הַטּ֣וֹב בְּעֵינָ֑יִךְ וַתְּעַנֶּ֣הָ שָׂרַ֔י וַתִּבְרַ֖ח מִפָּנֶֽיהָ׃“

(בראשית ט"ז ו')

„Und Abram sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist in deiner Hand, tue ihr, was gut in deinen Augen. Und Sarai quälte sie, und sie floh vor ihr.“

(B’reschit, Genesis, 1. Buch Moses 16: 6)
 

”וַיֹּ֤אמֶר לָהּ֙ מַלְאַ֣ךְ יְהֹוָ֔ה הִנָּ֥ךְ הָרָ֖ה וְיֹלַ֣דְתְּ בֵּ֑ן וְקָרָ֤את שְׁמוֹ֙ יִשְׁמָעֵ֔אל כִּֽי־שָׁמַ֥ע יְהֹוָ֖ה אֶל־עׇנְיֵֽךְ׃“

(בראשית ט"ז י"א)

„Ferner sprach zu ihr der Engel von HaSchem: Siehe, du bist schwanger und wirst gebären einen Sohn, und du nenne seinen Namen Jischmael; denn HaSchem hat gehört auf deine Qual.“

(B’reschit, Genesis, 1. Buch Moses 16: 11)
 

Hagars Geschichte spiegelt gewissermaßen die von Awraham Awinu wieder: Er verlässt sein Zuhause, sie flieht vor ihrem Zuhause. Beide gehen in die „Wüste“: Awraham in die symbolische Wüste des Ungewissen und der Götzendiener, Hagar in die tatsächliche Wüste. Beide werden vom Himmel beschützt. („Jischma-El“, der Name Hagars Sohn, heißt übersetzt „HaSchem hört“) Und beiden wird versprochen, dass ihre Nachkommen große Völker gründen werden (also das jüdische Volk und das muslimische Volk).

Das Hebräische Wort für Migration, „Hagira“ [הֲגִירָה], schreibt sich fast genauso wie der Name „Hagar“. Das macht natürlich Sinn: Migration, entweder freiwillig (wie bei Awraham), oder als Flucht (wie bei Hagar) ist ein Leitmotiv der Paraschah. Es ist vielleicht symbolisch, dass eines der meist diskutiertesten Themen der letzten Jahre und Jahrzehnte die Migration der Nachkommen Hagars nach Europa ist, sei es als Flüchtlinge aus Kriegen, sei es als Fremdarbeiter, sei es aus anderen Gründen.

 

 

Von Hagar zu Hagarism

”וַיֹּ֣אמֶר אֱלֹהִ֗ים אֲבָל֙ שָׂרָ֣ה אִשְׁתְּךָ֗ יֹלֶ֤דֶת לְךָ֙ בֵּ֔ן וְקָרָ֥אתָ אֶת־שְׁמ֖וֹ יִצְחָ֑ק וַהֲקִמֹתִ֨י אֶת־בְּרִיתִ֥י אִתּ֛וֹ לִבְרִ֥ית עוֹלָ֖ם לְזַרְע֥וֹ אַחֲרָֽיו׃ וּֽלְיִשְׁמָעֵאל֮ שְׁמַעְתִּ֒יךָ֒ הִנֵּ֣ה ׀ בֵּרַ֣כְתִּי אֹת֗וֹ וְהִפְרֵיתִ֥י אֹת֛וֹ וְהִרְבֵּיתִ֥י אֹת֖וֹ בִּמְאֹ֣ד מְאֹ֑ד שְׁנֵים־עָשָׂ֤ר נְשִׂיאִם֙ יוֹלִ֔יד וּנְתַתִּ֖יו לְג֥וֹי גָּדֽוֹל׃ וְאֶת־בְּרִיתִ֖י אָקִ֣ים אֶת־יִצְחָ֑ק אֲשֶׁר֩ תֵּלֵ֨ד לְךָ֤ שָׂרָה֙ לַמּוֹעֵ֣ד הַזֶּ֔ה בַּשָּׁנָ֖ה הָאַחֶֽרֶת׃“

(בראשית י"ז י"ט - כ"א)

„Und Gott sprach: Gewiss, Sarah, deine Frau, gebiert dir einen Sohn, und du sollst seinen Namen nennen Jizchak. Und ich werde aufstellen meinen Bund mit ihm zu einem ewigen Bunde für seine Nachkommen nach ihm. Auch wegen Jischmael habe ich dich erhört. Siehe, ich segne ihn und mache ihn fruchtbar und mehre ihn über die Maßen, zwölf Fürsten wird er zeugen, und ich mache ihn zu einem großen Volk. Aber meinen Bund werde ich aufstellen mit Jizchak, den dir gebären wird Sarah um diese Frist, im anderen Jahre.“

(B’reschit, Genesis, 1. Buch Moses 17: 19 - 21)
 

Hier wird das Verhältnis zwei der drei monotheistischen Weltreligionen gewissermaßen besiegelt. Awraham gründet zwei Völker, die zukünftigen Juden und die zukünftigen Muslime. Viele Jahre später, im Jahre 1977, schreiben zwei Professoren ein Buch, das die Anfänge des Verhältnisses zwischen dem Judentum und dem Islam neu interpretiert: Es heißt - wie auch sonst? - Hagarism.

Der Name des Buches leitet sich natürlich von Hagar** ab. Auch hier, wie in unserer Paraschah, geht es um eine lange Reise ins Unbekannte, aus der ein Volk entsteht. Die These von „Hagarism“ ist, dass der Pilgerweg ursprünglich nach Jerusalem führen sollte (physisch und symbolisch), aber letztendlich in Mekka endete.

Wir lernen von Awraham Awinu, aber auch von Hagar, das uns Bekannte und Bequeme zu verlassen, und einen langen Weg in die Wüste zu gehen, um dort unser G-ttvertrauen unter Beweis zu stellen.

** Auch die Hidschra [هجرة] (die Auswanderung Muhammads von Medina nach Mekka) und der Haddsch [حج] (die heutige Pilgerfahrt von Muslimen nach Mekka) haben dieselbe Wurzel im Arabischen wie der Name Hagar

 
 

 

שַׁבַּת שָׁלוֹם וּמְבֹרָךְ
Schabbat Schalom uM’worach
Ein friedlicher und gesegneter Schabbat

Benjamin Rosendahl

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12. Cheschwan 5787,   23. Oktober 2026

 

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